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Samstag, 2. März 2013

Assassin's Creed 3 - Liberation (PSV)



AC im Handheldformat - Gegen die Sklaverei und gegen fiese Bugs

Erst war ich noch dagegen, dann ließ ich mich doch von meinem lieben Arbeitskollegen dazu überreden: "Assassin's Creed 3 - Liberation" für die Vita zu kaufen.
Im Vorfeld las ich zwar schon ein paar Fazit's und schaute mir eine Pro-/Contra-Liste an und dachte zunächst darüber nach diesen Teil nicht zu spielen.
Warum?

Erstens soll es keine echten Höhepunkte im Vergleich zu dem storylastig tollen AC3 geben und zweitens ist Aveline keine wirkliche Schönheit, keine elegante hübsche Dame. Der afrikanisch dunkelhäutige Typ gefällt mir optisch einfach nicht so gut (wohingegen ich eine Inderin ganz klar vorziehen würde) - vor allem die Haare müssen hübsch aussehen, ist meine Meinung. Und Rastalocken gehen mal GAR NICHT. Und was da auch noch negativ beisteuert, ist die doofe Piratenkappe.


Das waren zunächst ganz schlichte, aber überzeugende Argumente, dass ich mit so einer Protagonistin nicht gerne durch die Gegend ziehen würde, die Idee aber interessant fand, dass man hier eine weibliche Hauptperson spielt - absolutes Neuland für die Assassin's Creed-Reihe.

Da war Aveline noch klein und knuffig. Nett gemeinter Einstieg, aber unspektakulär. Hab schon wieder vergessen was da passiert ist. ^__^

Wie immer bei diesen direkten Kommentaren meinerseits hoffe ich nicht irgendwelche Extremisten auf den Schlips getreten zu sein, die gleich bei "ich mag dunkle Haut nicht so" gleich die Nazikeule rausholen und mal wieder via Zeitmaschine in eine Epoche reisen, mit der ich nichts am Hut habe und nichts am Hut haben will.
Nazis sind genauso behindert wie Punks - beides Extreme, die mit ihren hitzigen Gemütern selten was Sinnvolles anstellen.
Das musste ich jetzt einfach mal klarstellen.

Jedenfalls war mein Kollege des Vertrauens doch recht beeindruckt von dem Spiel und so ging ich seiner Empfehlung nach.


Im Spiel, entwickelt von Ubisoft Sofia (Wer?), spielt ihr ausschließlich Aveline de Grandpré, die wie Connor (aus Teil 3) zwischen den Fronten geboren wurde. Das Szenario spielt sich zwischen des Französischen und Indianischen Krieges (1765 bis 1780) ab. Quasi eine Zeit, die für die meisten die pure Langeweile bedeutet, sodass man am liebsten mit dem Kopf auf dem aufgeschlagenen Geschichtsbuch einschlafen würde.
In der Tat ist ihre Geschichte nicht sonderlich spannend, obwohl sie in einem netten Endkampf mit Halluzinationen und Co. mündet (inkl. versteckter Endsequenz) und behandelt primär Aveline's Drang die Menschen aus der Sklaverei zu befreien.
Für mich schon kein spannendes Thema.

Mit dem Blasrohr heimlich Feinde ausschalten. Seeeeeeehr effektiv.

Das Tauchen ist super, aber die Steuerung nicht - teilweise unklar und unnötig unlogisch. Hier werden die 2 Vita-Sticks konsequent nicht genutzt.

Jedenfalls gibt's hier und da viele Gespräche, die nicht sonderlich interessant sind - Cutscenes sind hier allgemein wie in den früheren Teilen = wenig actiongeladen, mehr steif, bemüht, gesprächslastig und non-cineastisch. Aveline hat beispielsweise einen treuen jungen Diener, der ihr verfallen ist, sie aber seine Liebe nicht erwidert. Ein wenig auch verständlich, da er sich selbst zu wenig interessant macht bzw. eher eine feminine Ausstrahlung und Aveline hier ja die knallharte Assassinin ist. Keine Lovestory, sondern nur kalte Brühe. Liebhaber von Romanzen kriegen hier einen Krampf.

Er benimmt sich recht feminin, sie will ihn nicht. Klasse.

Doch wie sieht eigentlich die Grafik für Vita-Verhältnisse aus?
Nachdem ich auf dem PC ja seit letzten Dezember Spiele nur noch auf Full-HD, also 1920x1080 spiele, ist ACL ein wahrer Graus - nicht nur wie auf den Screenshots ersichtlich, ist die Grafik recht pixelig und teilweise auch Texturen sehr unscharf, nein, es ruckelt in New Orleans (Haupt- und Hafenstadt) auch recht merklich. Man gewöhnt sich dran, aber hier hätte man schon bessere Arbeit leisten können. Natürlich treten bei "Uncharted - Golden Abyss" nicht so viele Figuren gleichzeitig auf, aber das wird immer meine Grafikreferenz auf der Vita bleiben. Und Uncharted war ein Vita-Releasetitel, ist also schon ein gutes halbes Jahr älter.

Wunderschön: die Maya-Pyramiden- und Höhlenabschnitte.

Doch was macht Liberation eigentlich aus? Wie passt sich das ins AC-Gefüge ein? Bisher hatten wir doch nur Desmond... wer steckt nun dahinter?
Ganz ehrlich?
Ich habe KEINE Ahnung!
Man ist nie außerhalb des Animus und irgendwas ist hier nur "Powered by Abstergo". Keine Ahnung was das für eine Art Projekt ist, hier haben sich die Entwickler wirklich keinen Blassen um den Hintergrund gemacht. Man trifft in einer der letzten Missionen aber auf Connor, der auch Gott sei Dank seine deutsche Stimme aus dem Hauptteil hat. Das ist sehr nett, aber leider zu kurz.


Schneien tut es aber in New Orleans bzw. dem "Bayou" nicht. Der Bayou ist übrigens die zweite große Karte im Spiel - und spielt sich in einem riesigen Sumpfgebiet ab. Krokodile, krank aussehende Bäume, viel Sumpfwasser, viel Gebüsche. Das Gebiet ist höchst interessant, weiß aber auch die Geduld des Spielers herauszufordern.


Warum?
Wer nicht die Wege über den Baumästen nimmt oder Opfer der miesen Sprungabfrage wird, landet viel zu schnell im Wasser. Klar gibt's davon viel, aber Aveline schwimmt meiner Meinung nach trotzdem viel zu langsam.
Dafür, dass eh schon eine Schnellreisefunktion auf der Map fehlt (ihr müsst überall selbst HINLAUFEN), verbringt ihr ca. 50% des Spiels nur damit von A nach B zu kommen. Und das ist mein Ernst.

In einer Mission geht's sogar mit dem Kanu los. Steuerung ist auch hier nicht der Bringer. Mit Rückseitentouchpad kann gepaddelt werden.

Trotzdem sind die Gebiete toll - die Hafenstadt ist auch einzigartig und besitzt sogar hier und da Wiedererkennungswert, liefert am Stadtrand ein tolles Anwesen und präsentiert sogar noch weiter außerhalb Maya Pyramiden und uralte Tropfsteinhöhlen.

Fakt ist aber, dass das Spiel sehr straight ist. Ihr geht irgendwo hin, es startet eine Introsequenz und danach müsst ihr entweder

a) nach Punkt B laufen
b) und / oder Person X (und Konsorten) umnieten
c) unbemerkt Person Y folgen.

Viel Varianz gibt es nicht. Hier vielleicht mal wenig mit dem Blasrohr (und giftigen Pfeilen) umnieten oder eine Hüpfpassage beenden. Aber klar ist: das Spiel ist sehr geradlinig, was aber meiner Meinung nach nicht schlecht ist. Wer volle Synchronisation erreichen will, muss Sonderziele (nicht getroffen / entdeckt werden oder alles ganz schnell erledigen) erfüllen.


Was Liberation aber ganz besonders ausmacht, sind die Kostüme.
Ihr könnt nämlich (leider NUR) in bestimmten Umkleidekabinen eure Rolle wechseln.
Entweder seid ihr...


a) eine Dame, die wenig Waffen bei sich trägt, wenig aushält, ultra langsam in der Fortbewegung ist und nicht klettern kann, dafür aber wenig Verdacht auf sich zieht, Menschen betören und Feinde ungesehen mit einem Pfeil-verschießenden Sonnenschirm töten kann 

Warum hat sie als Sklavin nur diese hässliche Jamaika-Kiffermütze auf?

b) eine Sklavin, die mehr als die Dame aushält, klettern und vernünftig kämpfen kann. Außerdem kann sie Tumulte anzetteln und besser Diebstähle durchführen. Einzige Nachteile: immer noch ziemlich verwundbar und sieht optisch hässlich aus (ich beziehe mich hier auf ihre Kiffermütze).

Gibt's erst gegen (zum Glück wenig) Geld im Laden: die Assassinenkapuze (nur anziehbar mit Basic-Assassinengewändern - andersfarbige Kleider schließen die Nutzung der Kappe unkommentiert aus).

c) eine Assassinin, die auf dem Cover zu sehen ist und den größten Lebensbalken hat, auf sämtliche Waffen zurückgreifen kann und einfach (mit ausgerüsteter Kapuze) verdammt cool aussieht, aber sehr schnell Verdacht auf sich zieht.

Nervig ist es aber, wenn ihr in einer Mission seid und als Dame unterwegs sein müsst. Mich hat es häufiger gestört, dass ich Ewigkeiten brauche und minutenlang zusehen muss, wie die Dame durch die Stadt von einer Ecke zur anderen schleicht. Zwar ist dieses Spielprinzip nun das erste Mal realistisch und nachvollziehbar, aber eine dunkle Ecke zum Umziehen hätte auch gereicht.

Strange Blubberblasen-Weltbegrenzungen.

Blöd ist beispielsweise auch, dass euch Wachen teilweise VIEL zu schnell entdecken und angreifen, teilweise auch ohne ersichtlichen Grund (Warum ist der Hafenzugang gesperrt? Warum wird diese gesperrte Zone nicht angezeigt und man auf 2 Meter ran gleich angegriffen?).
Ihr macht sie aber wie gewohnt blitzschnell fertig. Entweder mit Pistole, mit Schwertern, Äxten oder den Klingen.

Handel in einem Actionspiel. Wayne interessiert's und was hat das hier zu suchen?

Wer schlau ist, nutzt aber die recht früh verfügbare Peitsche ein.
Die zieht lustigerweise JEDEN an sich heran und vernichtet ihn mit einem Schlag.
Zwischenboss? No problem!
Wer jede Attacke abwehrt, bekommt die unausweichliche Peitsche ins Gesicht und stirbt.
Das ist auch kein Negativpunkt, sondern eine gute Alternative, um mit unrealistischen "ich blocke jede Attacke"-Übergegnerpiefken schnell und effektiv fertig zu werden.
Alternativ könnt ihr sie sogar von einem Hausdach anpeitschen und sie strangulieren - euch entdeckt dabei niemand. Lustig: hat sich eine Wache vorher befreit, geht sie einfach mir nichts, dir nichts wieder zum Platz ihrer Herkunft zurück. Seelenruhig, versteht sich.

Wenigstens ist das Spiel FSK16 und gleichzeitig auch recht blutig in den Nahkämpfen.

Das führt mich auch gleich zum nächsten großen Thema:


Bugs & andere Nervigkeiten

Nicht nur, dass die KI rumspinnt, nein ... meistens sind es folgende Dinge:

Der Gegner ist tot. Nur die Tötungsanimation hat er nicht mehr mitgemacht, sondern blieb komplett eingefroren da stehen. Man kann einfach durch ihn durchlaufen.

1. Fortbewegungsgeschwindigkeit: Insbesondere wie vorhin schon beschrieben bewegt sich die Dame zwar realistisch, aber gameplaytechnisch unnötig langsam fort. Bei der fehlenden Schnellreisefunktion ist das ein unfassbarer Fauxpas, den ich mir einfach nicht erklären kann. Gerade im Sumpf ist dort viel zu viel Wasser als alles andere.

2. Sprungkoordination: Wer schnell sein will, rennt quasi über Dächer, Äste usw. Wie man AC auch kennt, springt der Charakter automatisch ab und greift sich auch automatisch die nächste Kante. Awesome-Automatism für Volldeppen quasi. Natürlich führt das schnell zu heftigen Problemen, wenn man in aller Detailfülle lauter Kisten, komische Dächerkanten / Schornsteine und alles mögliche einbaut: entweder greift sie die falsche Kante, springt runter zu Boden anstatt über das Loch, bleibt irgendwo stecken und kommt nicht mehr raus (Clippingfehler) oder droppt sogar DURCH den Boden ins Nichts. Genervt hat mich dieser Müll aber im Geäst des Dschungels - es ist meist kaum einsehbar, wo es exakt lang geht und gern springt die Gute einfach mal runter - ins Wasser. Da weit und breit keine Insel ist, muss man erstmal fleißig schwimmen - kommt ein Krokodil in den Weg, ist man augenblicklich Geschichte (nur im Wasser). Auf dem Land muss man nur eine QuickReaction-Taste drücken und ZACK! - ist Mr. Kroko auch schon Geschichte.
Jedenfalls zieht sich die Dschungelentdeckungsreise enorm.

1x Quickaction = Kroko tot.

♫ Unter dem Boden ♫ Muss die Freiheit wohl GREN-ZEN-LOS SEIN! ♫
Wer zu lässig den Tag verbringt, wird total unauffällig und eins mit seiner Umgebung.
Ja... ich schwimme über die Wiese. Das Spiel hat einfach nicht registriert, dass ich aus dem Wasser herausgekommen bin. Manchmal fliegt man nur kurz über dem Wasser, wenn man baden geht - und wird schnell vom Spiel nach "unten" korrigiert. Hier hat's aber nix mehr gefixt. Ich musste ins Hauptmenü zurück, weil die Gute hier fest steckte.
Hier clippte Aveline immer wieder von "auf Baumstamm" nach "in Baumstamm". Hin und her. Game-Restart erforderlich. Man sieht auf dem Bild noch ihre Arme.

3. Soundfehler: ich hatte es einmal, dass ein Sound im Endless Loop abgespielt wurde und alles erst nach einem Gamerestart richtig lief.

4. Animationen / Ein- und Ausblendungen nach Filmsequenzen: Manchmal hakt es hier auch, sieht albern aus oder Aveline muss sich erst mit Hin- und Hergehen beschäftigen, ehe sie in der richtigen Positionen zum "Quasseln" steht.

5. Cutscenes nicht abbrechbar: ihr müsst euch alles angucken. Außer die Credits.

Fail: der Tipp widerspricht den Tatsachen: ich ziele gerade auf meine Tschernobyl-strahlende Nachttischlampe. Ziehe ich auf eine eher dunkle Gegend, funktioniert's. Hell = geht nicht, dunkel = geht. WTF?
No Fail: mit SixAxis Neigungssteuerung eurer Vita navigiert ihr eine Kugel von außen zur Mitte. Macht Spaß.

Bisher gab es 2 Patches (neueste Version: v1.02, 12 MB groß), aber die haben nur die ÜBELST kritischen Bugs der Releaseversion ausgebügelt. Spiel stürzte teilweise mehrfach ab und im schlimmsten Fall löschte es sogar den Fortschritt. WTF?

Wer Items sammelt, kriegt bei Komplettierung sogar einen Spezialanzug mit speziellen Fähigkeiten. Sehr schön.

Übrigens: es gibt diesmal viiiiiiiiiiiiiiele viele Gegenstände zu sammeln. Und dementsprechend auch Trophies. Allerdings ist die Platin nicht ganz einfach, da man a) viel Geld sammeln und ausgeben muss, b) es keine Karten mit den Fundorten der Objekte zu erwerben / entdecken gibt. Lediglich das aktivierbare Adlerauge verrät euch Objekte in der unmittelbaren Nähe.

Und c) muss der Multiplayerpart gespielt werden.

Diese netten Erklärungen mit Bildern hätte man auch als Tutorial im Multiplayer gebrauchen können.

Und wisst ihr was?
Der stinkt!
Ich war ca. 10 Minuten drin und das hat mir auch ausgereicht.
Es ist quasi irgendeine Art O-Game-Verschnitt (kann ich schon mal gar nicht leiden). Ihr habt eine Weltkarte (unsere Epoche: 2012), könnt reale Städte wie "München" oder "Regensburg" als Hauptknotenpunkt wählen und andere angreifen. Dabei könnt ihr vorher stets die Assassinen oder die Templer wählen (und so gegen euch selbst spielen ??????!!!!??).
Ich habe keinen Plan und keine Lust mich mit dem Quatsch zu beschäftigen.
Ich erwarte im Multiplay natürlich die ungefähr gleiche Spielweise wie im Singleplay. WHOT DA FUCKING FUCK?
Ich weiß nicht was da schief gelaufen ist, aber Fakt ist, dass ihr für die Platintrophy 3 Multiplayertrophies braucht. Viel Spaß an alle Trophyhunter! ;)

Willkommen zum Multiplayermodus!


Fazit:
Assassin's Creed 3 Liberation hat entgegen eurer Vermutung trotzdem Spaß gemacht. Zwar nicht viel und nicht so sehr wie AC3, aber die Hetzjagd nach allem Sammelbaren hat motiviert. Genauso wie neue und erfrischend andere Orte kennenzulernen, wenn auch die Fortbewegung im Bayou außerordentlich nervt und die Rollen zwar interessant, aber nicht wirklich wichtig sind. Schade, dass Liberation wie ein Rückschritt zu alten Untugenden war: keine Schiffsfahrten, nicht konsequent gute Ideen (Rollen, Handelsgedöns) und Fahnungszettelchen-Abreißen nachdem man Verdacht wegen Schlenderei und sonstigen total auffälligen Dingen angesammelt hat.
Das in Kombination mit den Clipping-Bugs und der fehlenden Schnellreise macht Liberation zu einem Spiel, was man einmal und kaum ein zweites Mal durchspielt.
Ich find's traurig, dass gerade die Bugs scheinbar nicht weiter verfolgt werden und die Vita einen lieblos umgesetzten Teil verkraften muss. Gerade, weil AC Liberation keine billige Kopie eines Spiels ist, dass auf allen anderen Konsolen 1:1 umgesetzt wurde, sondern ein komplett eigenständiger Ableger ist. Ubisoft, bitte reißt euch das nächste Mal am Riemen!

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