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Mittwoch, 12. Juni 2013

Call of Juarez - Gunslinger


Once upon a time...

... there was a great little surprising hit, developed by Techland and sold on steam for about 15 €.

Was?
Lediglich 15 € für den mittlerweile vierten Call of Juarez-Ableger?
Geht das denn mit rechten Dingen zu?
Ist verfrühte Steam-Sale Zeit?
Hat Valve bei der Preisangabe einen Fehler gemacht?
Oder haben wir hier es eventuell mit einem 2D-Spin Off oder sonst einem künstlerischen Videospiel-Experiment zu tun?

Die Antwort lautet:

Alles falsch!

Techland hat zwar scheinbar parallel, möglicherweise in 2 Teams aufgesplittet, zu Dead Island - Riptide entwickelt (Hinweis: Dead Island 1 erschien im Sep 2011 und CoJ - The Cartel im Jul 2011 - also beide Vorgänger genannter Spiele-Reihen-Ableger wurden fast zeitgleich veröffentlicht und somit fast zeitgleich an den Nachfolgern gearbeitet), doch einen Abbruch in der Qualität kann man nicht erwarten. Zwar ginge das auch kaum schlechter als mit Call of Juarez - The Cartel, der anders als die ersten Teile versuchte das eigentliche Wild West Szenario der Call of Juarez-Reihe in die Moderne zu verlegen - und damit kläglich an Flair, sympathischen Sprechern und Einzigartigkeit scheiterte.

Das Hauptmenü, das beim Wechseln in Untermenüs näher an die schönen verschachtelten 2D-Ebenen heranzoomt. Sehr hübsch.
Herrlicher Tooltip! :D

"Gunslinger" soll sich jetzt wieder auf die Wurzeln besinnen und konzentriert sich nicht nur auf spaßiges Geballer in der üblichen Ego-Perspektive, sondern auch auf Punktecombos und einer sehr interessanten Geschichte.
Für Punkte usw. bin ich mal ganz und gar nicht zu haben, was ich schon im Mad World-Review für die Wii geäußert habe. Aber bereits das im Jahre 2004 erschienene "Dead Man's Hand" (Erinnert sich noch wer? - Human Head Studios, Macher von "Rune" und "Prey") bewies, dass auch Punkteanzeigen bei Killstreaks mit Spaß, einer netten Story und einer in sich stimmigen authentischen Atmosphäre der alten Colt-Zeiten vereinbar ist.

via

Und "Gunslinger" ist jetzt quasi der geistige Nachfolger, der aber alles besser macht, was man besser machen kann und gleichzeitig ein geniales, kurzweiliges Game für Freunde von netten Ideen, launiger Action und schlauchig oldschooligen Levels ist.

Silas erzählt seine Story (links) und beschreibt berühmt berüchtigte Aufeinandertreffen mit bekannten Gangster(bande)n rund um den Wilden Westen.

Die Story ist hier ganz was Besonderes. Obwohl hauptsächlich in - wohl gemerkt aber sehr schicken - Comic-Standbildern darstellt, ist die Story mit eins der Herzstücke von "Gunslinger". Ihr seid "Silas Greaves" (zumindest besagt's das Gerücht), der in einen Saloon kommt, sich mit Alkohol zu Tische setzt und Zuhörer um sich scharrt - denn er hat allerlei Erlebnisse verbal loszuwerden.
Und so erzählt der Gute - und ihr spielt seine Abenteuer nach.


Nicht nur, dass ihr quasi einem roten Faden unabhängig alles mögliche an Missionen zu erwarten habt, nein - die Orte, an die ihr gelangt, könnten auch nicht Klischee-beladener sein - doch hey: genau das sind die Locations, die ich von einem Wild West Shooter erwarte:
Kleines Dorf mit Kirsche, Saloon und Bank; Fahrender Zug; Mine; Brückensprengung; Sägewerk; Gebirge; Nächtliche Feldlager; Sumpf; Höhlen und Farm.

Jaja, die beiden Colts waren schon meine allerliebsten Lieblinge der bedingungslosen Liebe.

Und alles unfassbar hübsch dargestellt - die Grafik lässt hier richtig ihre Muskeln spielen - und macht fast wie aus Bioshock Infinite ein Screenshot-Game daraus. Gut ist, dass man sieht, dass die Entwickler über die Levelgrenzen hinaus mit viel Liebe zum Detail gearbeitet haben und die Areale immer sehr weitläufig und Open World-mäßig wirken, Tatsache ist aber, dass man überall unsichtbare Levelgrenzen hat, die man zwar überschreiten kann, aber danach angezeigt bekommt, dass man hier den Storybereich verlässt. Wer zu weit geht, provoziert einen Rücksetzer.


Das wirkt zwar eindämmend, aber angesichts der Spielelogik (Levelgrenzen gibt's überall - wie enttäuscht war ich noch in GTA 3 auf der letzten Insel als man nicht durch den Gebirgsautobahntunnel fahren konnte) ist das völlig normal und sogar noch intelligenter gelöst als so manche 30cm hoch gestapelten Ziegelsteine, die unüberwindbar wirken.

Links: Mit Upgrade spürt ihr Nuggets leichter auf. Cool: Sobald ihr frontal nahe einer Wand steht, hält der Charakter die Waffe nach oben. Rechts: Die historischen Detailinfos.

Die Spielfigur bewegt sich rasant und auch so macht's Spaß durch die recht zahlreichen Levels zu tigern und die ca. 8 Stunden stets bei Laune haltende Kampagne durchzurocken. Hier gibt's Sammelobjekte (Nuggets) aufzuheben, die nicht nur Trophy-Sinn haben, sondern auch eine Minihintergrundgeschichte der echten Schurken, Helden, Tatsachen der damaligen Zeiten präsentieren.
Für Interessenten nett, aber ich hätte mir eher witzigeren Kram gewünscht.
Immerhin nimmt sich das Spiel - Gott sei Dank - alles andere als ernst.

Links entstehen neue Wege, die Silas vorher "gar nicht aufgefallen" sind. Rechts ist der Erzähler gerade auf Toilette gegangen - und die Zuhörer tauschen sich derweil ihre Zweifel aus. Indes spielen wir in Zeitlupe = Story geht ja nicht weiter. Herrlich!

Silas erzählt seine Geschichte während des Spielens, das heißt, dass ihr seine coole englische Stimme während des Spielens oft Dinge beschreiben hört.
Aber die Zuhörer sind nicht dumm - und korrigieren ihn teilweise, wenn er Mist erzählt (, weil Silas sich teilweise nicht mehr korrekt erinnern kann oder eher: die Story absichtlich mit Schmarn anreichert, um sie spannend zu machen).

Am besten gefielen mir zwei Stellen. In einer macht ihr eine Abbiegung in eine Mine und verreckt nach einer halsbrecherischen Flucht tatsächlich durch einen auf euch donnernden Lorenwagen. Das Game spult zurück (EXP bleiben) und dann geht's den "wahren" Weg weiter.


Zweiter Kniff: in einer Mission müsst ihr die Dalton-Brüder stellen. Der erste am Tisch erzählt was er gehört hat - ihr stellt die Burschen in der Bank und schon geht der nächste Erzähler dazwischen und meint: "Neeeeeeeeeeeein nein nein nein! Das war ganz anders und zwar so...". Und natürlich ist auch seine Story am Ende falsch und ihr spielt die dritte Version der Wahrheit. Großartig!

Sagte ich Apachen? Neeeeein - ich meinte Banditen, die wie Apachen aussahen!

Obwohl es wenig Waffen gibt (Rifle, Pistolen, Shotgun, Dynamit), spielt es sich ausgezeichnet. Die Feinde sind treffsicher und zahlreich - Deckungssystem is' nicht, es gibt nur normales Ducken.

Mittig links kann man das Einschussloch sehr gut erkennen. Umso frischer, umso klaffender das Loch. Genial umgesetzte Designidee.

Zum Glück heilt ihr euch selbst, aber genial ist, dass die Einschusslöcher wie Risse in der Leinwand in eurem HUD wirken und leuchtende Strahlen hindurch scheinen. Kopftreffer bringen am meisten Erfahrungspunkte und Killketten sowieso. Wer viel ansammelt und gut unterwegs ist (zwischendurch werden Kill-Quickactions eingestreut und explosive Fässer stehen sowieso überall rum, wo sich natürlich niemand hinter verstecken würde ;) ), steigt schnell auf und kann stärkere Waffen, schnellere Nachladezeiten oder verlängerte Zeitlupe freischalten.


Cool ist, dass das Upgrademenü in Revolver-Kammer-Art dargestellt ist - ihr könnt die Richtung des nächsten Upgrades beliebig auswählen. Wer es zur anderen Seite schafft, eröffnet eine Spezialbelohnung inklusive Zutritt zum nächsten Fertigkeitenbaum.



Durch Kills schaltet ihr eine Zeitlupe immer und immer wieder, die nicht nur Gegner Rot markiert, sondern extreme damage spendiert.

Neo-like in letzter Sekunde ausgewichen: Wer hier die Chance vergeigt, muss den letzten Checkpoint neu laden. Sterben tut man nicht selten in Gunslinger.

Wer eine volle Death-Recover-Anzeige hat (füllt sich mit der Zeit wieder langsam), der kann bei tödlichen Schüssen (sind diese, die eigentlich das virtuelle Leben auslöschen würden) durch eine Art  "Letzte Chance" dem Tode von der Schippe springen. Sehr nette Idee - und auch die Duelle gegen eine oder mehrere Feinde entspricht der Vorgehensweise aus Teil 2 "Bound in Blood".


Man schaut an der Hüfte von Silas vorbei, den Revolver und die Hand in Sichtweite und muss mit der Maus den Gegner im Visier halten (erhöht Fokus) und die Hand mit der Tastatur in der Nähe des Knarrengriffes (erhöht Schnelligkeit). Man kann zwar ab einem bestimmten Punkt als erster ziehen - was aber nicht empfehlenswert ist, da man so unehrenhaft agiert und weniger Punkte bekommt. Also lieber als Zweiter ziehen und eventuell nahenden Kugeln ausweichen.

Nachladen könnte nicht schöner designt worden sein. Good ol' times.
"Den Colt ein paar mal blasen tut man auch!", um mal den Humor eines Kollegen nachzustellen. ;)

Der Schwierigkeitsgrad enttäuscht nicht nur innerhalb der Duelle nicht, sondern überzeugt auch in den regulären Ballereien. So gut zielen die Feinde, so gut bringt euch eine Überzahl arg in Gefahr. Hier muss man auf jeden Fall schnell sein - eben selbst der Gunslinger.

Schade aber, dass das "Story verändert sich mittendrin"-Feature angesichts der minimalen Cel-Shade-angehauchten und stimmigen Grafik nicht öfters entfaltet hat oder noch verrückter war. Es gibt viele gute Ansätze und einige stimmige Beispiele, aber das hätte ruhig konsequenter umgesetzt werden können, weil sich meist nur hier oder da ein neuer Weg öffnet, dadurch Felsen verschoben oder Holzplanken neu geordnet werden. Das verdient aber keine allzu ofte Wiederholung.

LucasArts legendäres Outlaws bewies schon 1997, dass Comicgrafik gut zum Western passt. // via



Fazit:
Nach "The Cartel" ist Gunslinger mal wieder ein richtig genialer Wild West Shooter, der nicht nur unheimlich viel Spaß durch Upgrades und Punktesystem macht (es gibt sogar ein "Neues Spiel Plus"), sondern auch eine witzige Story bietet, sich auf's Wesentliche konzentriert, retroartig straight ist und eine Grafik bietet, die unglaublich detailverliebt und realistisch schön rüber kommt.
Das für nur 15 € ist einfach ein Must Have für jeden Fan von LucasArts "Outlaws"-Klassiker und Shooter-Suchtis wie meiner Einer.
Wer auch mal eine andere, sehr gelungene, anspruchsvolle und ausführliche Meinung zum Spiel haben will, dem empfehle ich einen Abstecher in Brecko's Bloggefilde → http://brecko6.blogspot.de/2013/06/call-of-juarez-gunslinger.html

Kommentare:

  1. Du alte Verlink-Sau^^
    Der Test hat mir wahnsinnig gut gefallen.
    Und zu Outlaws sag ich nur: Oh ja!

    Ich fang voraussichtlich morgen den zweiten Durchlauf an - ich werd vor dem Monitor stilecht meinen Cowboyhut aufsetzen! Yeeha! Howdy! Lass uns die ganze Nacht lang reiten! Oder so ähnlich... Ich brauch nen Whisky...

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    1. Ich will gar nicht erst wissen, was du treibst, wenn dir das "Leisure Suit Larry"-Game sehr gut gefällt und du einen zweiten Anlauf nehmen willst. Wie du wohl dann vorm Rechner sitzt?
      Ääähm... und nun zu den Nachrichten im ersten deutschen Fernsehen mit der Tagesschau *döööt düüüüt däääät döööööt*

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    2. Die alten Larry-Teile waren super - ich erinner mich wahnsinnig gern an meine Nude-Gaming-Sessions.
      Ach, ich will ins Fernsehen.

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