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Sonntag, 28. Oktober 2012

Lucius



Hol' dich doch der Teufel!

Der kleine 6-jährige titelgebende Lucius bekommt zu seinem Geburtstag wohl das größte Geschenk überhaupt: der Teufel höchstpersönlich erscheint in seinen Träumen und macht dem kleinen Jungen klar: "Luke, ich bin dein Vater!" und teilt ihm mit, dass er auf der Erde einige Aufgaben für das Böse erledigen soll.
Mit Spezialfähigkeiten wie Telekinese, temporäre Geisteskontrolle, Feuerballwerfen und noch ein paar weiteren geht's zuerst einmal los das Herrenhaus, in dem der Körper von Lucius bereits ein paar Jahre gelebt hat, von jedem Bewohner Stück für Stück zu säubern.

Papa.

Neue Skills gibt's von Zeit zu Zeit vom Meister persönlich - und getestet wird im Kinderzimmer.

Das Rätsel-Adventure aus der 3rd-Person-Perspektive gibt's seit gestern für 17 € (ohne Rabatt: 20 €) auf Steam. Entwickelt vom Indie-Neuling "Shiver Games" und vertrieben von "Lace Mamba" erfrischt es das sonst so einheit- und übersichtliche 3rd-Person-Genre ganz schön.


Es bedient sich aber ganz klassisch an Hitman- und Messiah-Elemente. So geht's in den ca. 15 Kapiteln darum in einem jeden Kapitel (welches meist einen kompletten Tag repräsentiert) genau einen Bewohner umzubringen. Anfangs ist es lediglich eine Küchenhilfe, welche sich im Kühlraum aufhält und nichts davon ahnt, dass der kleine stumme Junge alsbald die Tür hinter ihr schließt, ein Vorhängeschloss dran befestigt und die Kühltemperatur weiter senkt. Die einfachen Tutorials legen euch schnell die Grundfunktionen nahe: mit jedem Objekt mindestens einmal interagieren, nützliche Gebrauchsgegenstände suchen und einsacken, diese im Inventar gegebenenfalls miteinander kombinieren und Spezialfähigkeiten verwenden.

Nach einigen wenigen Missionen sind auch bald sämtliche Teile und Flügel des weitreichenden Anwesens erkundet und man hat sich bereits an dessen verwinkelten Aufbau gewöhnt. Leider müsst ihr mit der Tatsache klarkommen, dass es außer dem Mansion KEINEN anderen Schauplatz gibt und sich außer den sich ändernden Jahreszeiten (welche hier und da mal zum heimlichen Kill genutzt werden) meistens nichts verändert. Es gibt zwar Zielperson-abhängige, aber vorgeschriebene Ereignisse (Onkel Tom treibt's gerade mit einem Dienstmädchen und ihr müsst es fotographieren), doch meist geht's im Haus ab wie immer.


Und meist wacht ihr am Morgen in eurem Bettchen auf.
Großartig älter werdet ihr nicht - von daher stellt sich schnell Routine ein.

Sieht unheimlich aus, ist es aber nicht. Taschenlampe braucht ihr äußerst selten.

Auch solltet ihr keinerlei Gruselelemente erwarten. Bis auf den Anfang (man stapft nachts allein durch's Haus - was angesichts der guten, sich aber leider ständig wiederholenden Musik doch recht gruselig ist) gibt's hier aber kein Gänsehautfeeling. Keine Geister, nichts Bedrohliches. Nur ihr seid das Böse, das alle manipuliert.

Hier kritzeln wir auf die ToDo-List des Handwerkers: "Klavier reparieren". Natürlich war es pre-prepariert. ]:-)

Wer damit aber klar kommt, erlebt ein Spiel, was einen Protagonisten bietet, den es vorher meines Erachtens noch nicht gegeben hat: der kleine Sohn des Teufels. Schwarz-rote Augen, magische Fähigkeiten und immer auf der Suche den nächsten umzubringen.
Gerade, weil einige Killszenen ziemlich direkt sind (zwar nur in Spielegrafik - aber trotzdem im Einzelfall recht heftig) und das Spiel auch nicht vor Nacktheit Halt macht, ist das definitiv kein Spiel für Kleinkinder.

Um die Leute umzubringen, müsst ihr euch was einfallen lassen. Zunächst einmal gilt es einen Blick in die Map zu werfen - niedlich gezeichnet führt sie euch zum nächsten Opfer. Weitere Tipps gibt's aber im späteren Spielverlauf meist nicht.


Manchmal ahnt man schon was man machen soll, manchmal fehlt es an nötigen Hinweisen. Dass ich einem recht unscheinbaren Stromkabel der Weihnachtsbeleuchtung zum Hauptschalter folgen muss, damit der Butler daher getrottet kommt und das Problem beseitigt, wusste ich nicht. Auch hätte der Schalter ÜBERALL im Anwesen sein können - und dass vor allen Dingen anschließend eine bestimmte Schneefläche mit Wasser zu einer rutschigen Eisfalle werden soll, auf dem der Butler ausrutscht und durch einen herabfallenden Eiszapfen verreckt, find' ich zwar cool, aber häufig stimmt das Feedback vom Game nicht.


Die Villa ist einfach viel zu groß - sauviele Zimmer, viel Gelaufe und viel unnötige Schubladen, die man öffnen kann, aber nur generischen Kram enthalten. Hotspotanzeige? Meines Wissens nicht vorhanden.

Kruzifixe schwächen lediglich eure Kräfte - einfach anklicken und schon ist's umgedreht. Healthbar gibt's nicht.
Manor = gut designt. Gerade nachts steigt die Atmosphäre um ein Vielfaches.

Gerade, weil das Spiel bis auf den Bossfight nicht aus Action, sondern Knobeleien und Heimlichtuerei (Schleichmissionen gibt's genauso wie "VORSICHT! Der guckt dir beim Manipulieren zu!") besteht, sollte es eine integrierte Spielhilfe geben. Das durch artiger-Junge-Nebenmissionen freispielbare Witchboard gibt euch zwar einen Hinweis, dafür aber einen sehr kryptischen.
Wer entdeckt wird oder es anderweitig vermasselt, scheitert durch eine billige, auf einen Schlag hereinploppende Spielende-Meldung und startet von Kapitelbeginn.


Wie ihr auf den Screenshots sehen könnt, sind die Spielfiguren recht puppenhaft designt, spielen aber trotzdem ihr mimisches Können in den Cutscenes aus.

Die Story um Lucius, seltsame Morde und einen verzweifelten Cop bzw. bald eintreffende Kirchenmitgliedern ist zwar sehr spannend, wird aber SEHR abrupt aufgelöst und lässt viele Fragen offen.

Es wird ermittelt. Der Cop bleibt hartnäckig, aber oft genug verzweifelt.

Was aber bestimmt Absicht ist - immerhin ist Lucius ja auf Fortsetzungen ausgelegt. Zumindest, wenn der Hersteller von "...and so it is Lucius’ task now to accomplish the missions of the Evil, which is gaining control over the world. Firstly, Lucius needs to get rid of all his family members and the service staff in the manor to be able to make their wealth and powers his." spricht.

Ääääh... warum kann man ingame Schlüpfer und Socken herumschleppen? Außer netter Physikengine ist's nutzlos.
WTF? Warum werden die Erschaffer einzelner Soundfiles in den Credits aufgezählt? @__@


Fazit:
Lucius entfacht ein großes Interesse zu Beginn, liefert leider nach kürzerer Zeit immer nur denselben Schauplatz mit einem zunächst sehr verwinkelten, dann aber zu vollgestellten Manor. Der Hauptcharakter ist aber trotzdem spitze und im Vergleich zu manchen Wanna-Be's seeeeeeeehr evil - was auch daran liegt, dass er erst 6 ist und nie ein Wort sagt. Das Spielkonzept ist also ungewöhnlich und gewöhnlich zugleich - schleichen, heimlich manipulieren, Ziel ausschalten kennt man von irgendwoher, doch die Story hält an der Stange. Zu dem Preis bitte nicht zugreifen, sondern erst wenn's unter 10 € kostet.

Kommentare:

  1. Hallo Patrick,

    ich staune gerade über die Grafiken der Spiele auf deinem Blog. Als ich 19 Jahre alt war, war das Spiel Dune 2 der Renner. Für mich war es das erste Computerspiel überhaupt. Nur die ewigen Ladezeiten nervten und die Augen wurden schnell müde.
    Ich durfte mich damals noch in einer Fortbildung mit GW-Basic befassen und war voller Ehrfurcht vor dem Computer. Wenn ich jetzt die Auflösung und Geschwindigkeit sehe, die heutige Spiele an den Tag legen, kommt es mir vor als wäre ich in der Steinzeit geboren. Faszinierend wie schnell sich die technische Welt weiter entwickelt.
    Zum Durchführen eines Computerspieles fehlt es mir mittlerweile leider an Zeit und Geduld. "Anno 1602" durfte ich vor Jahren spielen und war tierisch von "meinem Volk" genervt, weil es ständig nach etwas anderem verlangte.
    Gibt es eigentlich Computerspiele auf dem Markt, die ähnlich wie das Buch "Die Insel der 1000 Gefahren" aufgebaut sind? So etwas würde mich noch eher reizen. Wenn man ein Spiel durch hat ist es meistens nicht mehr so reizvoll es noch einmal zu spielen. Würde sich je nach Spieler-Entscheidung der weitere Spielverlauf ändern, bliebe es einfach spannender. Die Weiterentwicklung . Wäre eine Herausforderung für Spieleentwickler.

    Liebe Grüße und ein ♥-liches "Dankeschön" für deinen Besuch & die positive Bewertung.

    Carola

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  2. "Die Insel der 1000 Gefahren"... Danke für eine weitere Erinnerung an meine Kindheit die ich viel zu weit hinten im Gedächtnis vergraben hatte! :)

    Spiele die ein ähnliches Konzept verfolgen fallen mir jetzt aber nicht wirklich ein, außer uralte Text-Adventures.. ansonsten gibt es halt jede Menge Open-World-Spiele, in denen du dann ja mehr oder weniger die Möglichkeit hast zu tun und zu lassen was du willst, mit all den Konsequenzen. Angefangen bei Fallout (1&2) bis (mit begrenzteren Möglichkeiten) moderne Spiele wie GTA und ähnliche.. teils dann auch mit verschiedenen Enden.

    So, nu zu Lucious: Kann ich eingeltich nich viel zu sagen, außer dass der Test mal wieder schön ist und neugierig macht! Hatte nur irgendwoanders in einem dieser "Gutmenschen"-Magazine wie Gamestar ne schlechte Kritik à la "wie kann man so etwas nur herausbringen, Kinder töten Menschen!!" gelesen und habs mir gleich auf die Liste geschrieben ;)

    PS: Anno rockt! Egal ob 1602, 1503, 1701, 1404 oder 2070! ;)

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  3. Hallo ihr beiden!

    @ Kräuterfraala: GW-Basic sagt mir gar nichts - und als gelernter Fachinformatiker (zwar nicht wie mein Kollege unter mir ein "Anwendungsentwickler") sagt mir das gar nichts. Doch gerne hätte ich auch von den Anfangszeiten alles aufgeschnappt, doch war zu der Zeit doch viel lieber verspieltes Kind und hatte Augen für alles andere.
    Find' ich also toll und spannend, dass du da bereits Erfahrungen sammeln konntest. Darf ich fragen wie du dazu kamst? Immerhin sind weibliche Technikinteressentinnen leider immer noch sehr wenig vertreten (18 Azubis in meiner Ex-Klasse: alle nur männlich).

    Die besagte Insel sagt mir leider gar nichts. Doch könnte eventuell das nächste "Tomb Raider" etwas für dich sein: das ist vermutlich auch eine Insel mit 1000 Gefahren - doch, ob die Entscheidungen sich drastisch auf den Spielverlauf auswirken?
    Sowas kennt man eher von BioWare-Titeln, obwohl sämtliche Spiele es meiner Meinung nach kaum bis gar nicht hinbekommen haben, dass sich der Spielverlauf KOMPLETT anders ergibt, sobald man von Anfang an andere Entscheidungen als vorher trifft. Oftmals stößt man auf dieselben Levels, das gleiche Grundgerüst im roten Faden - und alles entpuppt sich meist später als Marketingblargblarg. Leider.

    Aber den Tipps meines Vorredners kann ich nur zustimmen. Vielleicht gefällt dir da etwas. Was ist dir lieber? Ruhig, taktisch, heimlich? Oder direkt Ballerballer und viel bombastische Unterhaltung?


    @ RR: "Kinder töten Menschen" war dein Kaufargument - sehr gut! :D Wie im Test beschrieben: sei vorsichtig, es könnte dich nach 1 Stunde eventuell arg langweilen! :)

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  4. Sei doch froh das ein mich überzeugendes Kaufargument nicht is "Menschen töten Kinder" ;)

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  5. "Kinder - die für ausgestorben gegoltene Rasse - kehrt jetzt mit blutunterlaufenen Racheaugen zurück! Nehmt euch in Acht, Menschen!" :P

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  6. Hallo ihr Beiden,

    es waren damals die einfachen Grundkenntnisse um kleine Algorithmen am Rechner zu erstellen. Ich wollte darüber mehr erfahren. Es hat mich fasziniert - allerdings auch im Laufe der Zeit oftmals an den Rand des Wahnsinns gebracht. Als Windows 3.1 erschien, war für mich Basic und GW-Basic schnell vergessen. *schäm*

    Das richtige Spiel für mich? Eine Kombination aus "selbst entdecken", Abenteuer und Strategie. Die "Aufbauspiele" wie "Siedler", "Cultures", "Anno..." finde ich von der Gestaltung ansprechend gemacht, aber es langweilt mich nach geraumer Zeit der Spielverlauf.
    "Qin: Tomb of the Middle Kingdom" fand ich damals recht spannend, da man sich Gegenstände zusammensuchen und Dinge in Bewegung setzen musste um weiter zu kommen. Vor allem ist der geschichtliche Hintergrund reell und die Auflösung der Bilder war für die damalige Zeit sehr gut. Das Spiel selber fand ich kniffelig, vor allem weil es einen nicht zu leicht gemacht wurde und ich hatte damals noch nicht die Option im Internet nach Hilfen zu suchen. In das gleiche Schema passt "Chemicus 2" und "Opera Fatal", das sind allerdings wirklich harmlose Zeitvertreib-Spiele.

    Ich habe noch Games herum liegen zu denen ich zeitlich nie gekommen bin und nun nicht ausprobieren kann, da die Spielversionen veraltet sind. "Age of Empires" oder "Caesar 3" z.B..

    Für Ballerspiele bin ich nicht geeignet. Nicht das "Frau" auf schlechte Gedanken kommt. Es gibt doch immerhin den Spruch:" Wir Frauen drücken bei euch Männer sehr gern ein Auge zu - und wenn es am Ende nur dazu dient, besser zielen zu können." ;-)

    Liebe Grüße

    Carola



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