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Freitag, 17. August 2012

Micky Epic (Wii)




Warren Spector Stamp = better game?

2010 erschien dieser aufmerksamkeitserregende Titel, doch erst jetzt habe ich mich damit befasst und auch heute erst den letzten Level abgeschlossen. Die Rede ist von Micky Epic, das aus der Feder der "Junction Point Studios" stammt. Kennt ihr nicht?

Nicht unbedingt ein Wunder - immerhin gibt's das Studio erst seit 2005 und der Disneytitel ist dabei das erste Werk von Ihnen.
Das Besondere an diesem Entwicklerteam ist aber Creative-Design-Meister Warren Spector, der bisher als Legende gilt. Auch ich finde ihn alles andere als uninteressant - immerhin zeichnet er sich neben Deus Ex 1 und 2 für Thief 1 und 3 auch für System Shock aus, welche allesamt Meisterwerke sind.
Aber auch die Ultima- oder Wing Commander-Reihe fällt unter seine Fittiche.
Und mit ehemaligen Teammitgliedern von Ion Storm und Looking Glass gründete er Junction Point.

Also kann man durchaus von Micky Epic erwarten, dass es ein klasse Titel ist.
Ist er aber größtenteils nicht. Warum?
Come in and find out!



Annoying Micky

Das Grundkonzept der Micky Maus wird in diesem spielerischen Ableger gut eingefangen.
Die Story dreht sich um eine von einem Zauberer mithilfe eines magischen Pinsels erschaffene Fantasiewelt. Micky stößt durch einen Zufall eines Tages darauf und begeht einen schweren Fehler, indem er durch Dummheit das gemalte Reich mit dunkler Farbe verunstaltet. Erst entkommt er dem Schlamassel, wird aber eines Tages dann doch von einem mittlerweile in eben dieser Farbwelt regierenden Phantom heimgesucht und in das bezaubernde Reich hineingezogen.

Die Geschichte wird hin und wieder in comicartigen stilhaften Zwischensequenzen erzählt, behält dabei aber lediglich in In- und Outro die grafische Renderfinesse bei, auf die man zu Beginn eingestellt wird. Leider kommt die Story inmitten des Action Adventures einmal nicht richtig in Fahrt und weiß im Großen und Ganzen auch lediglich Durchschnittscharakter einer klassischen Good VS Evil Erzählung zu präsentieren. Episch ist übertrieben, grundsolide und (gegen Ende wieder) unterhaltend(er) passt da schon eher.

Was dem Game aber das Genick bricht sind einige Fehldesignentscheidungen.
Aber schauen wir uns erst einmal das Gameplaykonzept an.

Ihr steuert Micky Wii-typisch mit der Remote und dem Nunchuk. Dabei könnt ihr die Kamera stets hinter Micky justieren ("centern"), sie aber auf Wunsch auch (in Zeitlupe) mit dem D-Pad ausrichten. Nicht nur im Kampf, sondern auch regulär ist das aber schweißtreibend - man benötigt dies aber hin und wieder, da die Kamera meist keinen einwandfreien Blick auf's Geschehen wirft. Nein, sogar viel mehr - vor allen Dingen in fummeligen oder hektischen Passagen verwirrt. So bleibt sie hier und da gerne hängen und lässt einen auch gern in den schlecht designten Kämpfen im Stich.

Die kleine Disney-Maus geht nämlich lediglich mit einem magischen Pinsel auf die "Jagd".  Mit diesem könnt ihr per Remote-Steuerung punktgenau Verdünner oder Farbe verschießen. Verdünner vernichtet Sachen und ist hier und da für bösartige Entscheidungen verantwortlich, Farbe frischt auf, schafft Verbündete und sorgt für Harmonie.
Wie man unschwer erkennen kann, legt man so auch fest welches Karma man ausstrahlt - entweder ist man böse oder gut. Dass man mehr als eine Entscheidung hat, ist auch Markenzeichen von Mr. Spector.

Interessant also, dass aus dem 3D-Action-Adventure ein Spiel, welches durch Aufgaben einen Rollspielcharakter und durch die teilweise weitläufige Welt einen klitzekleinen Touch "Open World" bekommt.

Zunächst aber mal zur "Open World":
Ihr steuert Micky durchs Fantasiareich, welches mit der Mean Street den zentralen Dreh- und Angelpunkt eures Abenteuers darstellt: von allen weiteren Welten kommt ihr immer wieder hierhin zurück. Dort erwarten euch (wie woanders auch) NPCs aus Disneycartoons - Donald, Goofy, Daisy, ja auch Kater Karlo oder Oswald (Micky's in Vergessenheit geratener Vorgänger). Mit denen könnt ihr sogar sprechen und euch hin und wieder Aufträge abholen. Die reduzieren sich aber meist auf "Bringe mir dies!" oder "Sammle das!" - haben also wie vieles an diesem Spiel Kindercharakter. Die Quests werden auch nett im Auftragsbook dargestellt. Problem an der Sache ist aber ein ganz großes:

Quests, die sich auf bestimmte Welten beziehen, sind auch nur dort zu lösen. Verpasst ihr die Gelegenheit, ist die Quest UNwiderbringlich gescheitert. Da das Game nur Autosave kennt, seid ihr schnell aufgeschmissen, wenn ihr ein Gebiet aus anfänglicher Neugier oder aus Versehen (durch Betreten einer Plattform, die plötzlich als Fahrstuhl dient) verlasst. Das ist nicht nur frustrierend, sondern einfach komplett bescheuert.

Beispiel:
Da Daisy, Goofy und Donald lediglich Roboter in der Fantasywelt sind, müsst ihr deren Gliedmaßen wieder beschaffen. Eben diese findet ihr in später nicht mehr zugängliche Levels - verbockt ihr das Aufsammeln, könnt ihr zwar (hier ausnahmsweise) noch etwas im Shop nachkaufen - jedes Körperteil kostet allerdings 1000 Kröten, was lediglich durch Farmen zustande kommen kann.
Diese zeitfressende Beschäftigungstherapie ist einfach nur Bullshit. Zumal Aufgaben nur sowas Ungreifbares wie "Goldene Anstecker" als Belohnung spendieren - und nicht das was man wirklich haben will: virtuelle Kohle, REICHtümer. Hin und wieder gibt's aber mal einen alten Schwarz-Weiß-Disney-Clip (ich hatte allerdings nur zwei freigespielt - waren das echt alle?!), den man sich unter "Extras" neben Artworks und Co anschauen kann. Das ist auch das einzige wirkliche Highlight an den üblichen Boooooooooooooooring-Belohnungen.

Viel bescheuerter sind allerdings die Auswirkungen eurer Taten - wer mit Verdünner wichtige Gerätschaften dauerhaft zerstört und das eh schon in Mitleidenschaft gezogene "Wasteland" weiter zerlegt, kommt zwar auch ans Ziel, dem erwartet jetzt aber keine grundlegende Änderung des Gameplays. Auch wachsen einem keine Hörner oder es öffnet sich auch kein alternativer Weg zum Ziel - alles bleibt beim Alten.

Der einzig wirklich greifbare Unterschied ist es, wenn man gegen den Feind mit Farbe kämpft. Zwar besitzt man auch einen Wirbelmove, welcher allerdings die Gegner nur für ein paar Millisekunden betäubt, endgültig auslöschen kann man sie aber nur mit Verdünner. Dann sind sie nicht nur für immer fort, sondern droppen auch Farb- und Verdünner"munition" - unendlich davon habt ihr nicht, es wird aber beim Erreichen des Nullpunktes sofort und zügig was von selbst nachgetankt (warum dann eine Vorratsanzeige???). Bekleckst ihr sie mit Farbe, werden sie zu Freunden. Es sei denn der Feind beharkt sie mit seinen dunklen Geschossen - dann werden sie wieder zurückverwandelt. Auch wenn ihr euch mit Verdünner verschießt, folgt derselbe Effekt. Auch stehen dann meist die Freunde nur im Weg, falls man noch weitere Monster bekämpfen will - und gedroppt wird selbstverständlich nichts. Kann mir mal jemand sagen, warum man dann die Viecher zu Freunden machen soll?
Im Laufe des Games gibt's auch kein PowerUp seiner Kräfte - so stark wie zu Beginn ist man auch am Ende, mit dem Unterschied, dass man mehr Lebensenergie hat.
Diese stellt sich übrigens auch nicht von selbst wieder her, sondern durch Aufsammeln von Items. Das ist insbesondere bei hakeligen Passagen und ganz besonders beim Tentakelvernichten gegen Ende des Games (es gibt übrigens keinen Endboss -.-) nervig, da später gern kleinere Tentakel oder sonstige Arschlöcher euch mit minimalen Bewegungen oder fiesen Moves beharken und gern von einer Kante stoßen und ihr letztendlich in einen Sofort-Tod stolpert.
Gespeichert werden bis dahin nur eure eingesammelten besonderen Items, nicht aber die Kohle oder andere Dinge, die für Quests wirklich wichtig sind.

Gerade dort machte sich - wie oft in diesem Spiel - dermaßen viel Frust auf, dass ich einfach keinen Bock mehr auf diesen Softwaremüll hatte. Auch die Leinwandpassagen in 2D zwischen den Levels oder die vielen Disneyparallelen (Bernard und Bianca-Sumpflevel, Peter Pan, TRON) wurden einfach wieder durch die unverzeihliche und schreckliche Steuerung, das inkonsequente Kameraverhalten und die nicht steigenden Mickykräfte in Bezug auf die langweiligen und viel zu robusten Gegner zunichte gemacht.

Passagen immer wieder von vorne zu spielen mit mehr Wut im Bauch als Freude über das Spiel. Quests, die scheitern, weil man sich ausprobiert oder den Level erkundet. Farbe und Verdünner als nettes Feature, das viel zu schnell ausgelutscht ist. Belohnungen, die im Prinzip für'n Arsch sind und ein Spielgefühl, bei dem ich auf Teufel komm raus nicht warm werde. Moderne Titel kommen trotzdem in 2D raus - Rochard, Rayman Origins, New Super Marios Brothers und Donkey Kong Country Returns zeigen wo Jump'n'Runs hingehören: nicht zu Super Mario 64 und sonstigem 3D-Schrott wie man es auf dem N64 versuchte, sondern in 2D.
Psychonauts bildet da eine Ausnahme. Gameplay und Designentscheidungen vom Allerfeinsten.

Micky Epic ist einfach nur scheiße. Ich werde das Game zumindest KEIN zweites Mal anrühren und rate JEDEM von den überschwinglichen Warren-Spector-Liebeserklärungen der Presse ab. Nur wegen seinem Namen und einem Erstlingswerk seines neuen Studios hat man ihm so eine tolle Note verpasst... verdient hat er sie aber bedauerlicherweise nicht.



Fazit:
Micky Epic ist spielerischer Schrott, der eine gute Idee verfolgt und insgesamt eine Huldigung an die Disneywelt bietet.
Leider aber hätten ALLE Levels besser designt werden können (auch die Parallelen zur Vorlage sind oftmals nur unglaublich minimal), dem Game fehlt es an Schwung, die Gegner halten zuviel aus, man wird nicht stärker, die Kamera nervt und fängt das Geschehen zu 90% immer aus dem falschen Winkel ein, die Belohnungen sind überflüssig und Quests, die scheitern, weil man in Levels nicht mehr zurückkehren kann (obwohl das vom Gameplay her Sinn machen würde und sogar designtechnisch ganz offensichtlich fehlt), sind einfach oberheftig große Affenkotze.
Das Spiel stellt sich somit viel zu oft selbst das Bein.
Bitte tut euch den Gefallen und lasst das Produkt im Regal stehen.
Danke.

Kommentare:

  1. Ich verstehe nicht, werter Herr Timm. Würdest du deine Aussage noch ein wenig präzisieren? Zielst du hier etwa auf "Kirby - das magische Garn" ab?

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