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Dienstag, 3. April 2012

Mass Effect 3




Auf die schiefe Bahn...

Vor wenigen Stunden habe ich meine persönliche Odyssee mit dem galaktischen Helden Commander Shepard nach rund 20 Stunden zum Ende der Triologie geführt - habe überlebt, um euch von den Erde bedrohenden Krisenzeiten am Rande der Menschheitsexistenz zu berichten.
Aber was ich zu BioWare's neuestem Streich eines Shooter-orientierten (Möchtegern-)Epos zu sagen habe, wird euch Leser gewiss spalten.

Worum geht's?

Die Erde steht nun leider gegenüber den Planeten zerstörenden Reapern schlecht da und wird von der gewaltigen Macht der außerirdisch-organischen Maschinenwesen massiv angegriffen. Dummerweise befindet sich Shepard mittendrin - er muss flüchten, will sich aber wehren und verlangt Unterstützung des Rates. Doch leider hilft ihm dort keiner - und er ist gewillt verschiedene Völker im ganzen Sterbennebel zusammenzuraufen, um dann im finalen Kampf die fiese Alienbrut endgültig auszulöschen. Dass die kriminellen Cerberus-Leutchen auch noch was mit zu bereden haben - und der Unbekannte aus Teil 2 auch keine geringe Rolle spielt, werdet ihr im Laufe der Geschichte schon noch selbst erfahren.
Zum Outro des Games sei vorweg zu sagen: lieblos ist es nicht designt, doch vergönnt es nicht jedem einen süßen Geschmack.



Assassins Effect - bis zur Schläfrigkeit ... und noch viel viel weiter

Für die ME-Vergötternden vorweg: am Spielsystem hat sich soweit nichts geändert. Ihr schaut Shepard immer noch aus der Verfolgerperspektive über die Schulter, könnt zu Beginn entweder euren Charakter (samt aller Entscheidungen) aus Teil 2 importieren oder einen neuen erstellen - könnt Hintergrundgeschichte (, die garnicht ins Gewicht fällt) des Helden wählen und sogar zwischen "RPG", "Action" und "Story" wählen.
Ich persönlich wählte "RPG", weil es für mich einfach passend ist bzw. ich das von dem Spiel erwartet. Wer Action wählt, kann nämlich keine Gespräche mehr beeinflussen, sondern guckt einfach nur noch Cutscenes an - und ballert halt sonst was die Munition her gibt.
Was "Story" genau tut, habe ich nicht ausprobiert - was darauf basiert, dass ich eher zum Abschluss des Spiels hinquälte als es noch richtig zu genießen - und die Deinstallation glücksgefühlsüberströmt herbei sehnte.
Jedenfalls kriegt ihr von dem unmenschlich vielen Herumgeschwafele vermutlich noch eine Extraportion.
Wenn ich so darüber fluche, hört sich das fast an als bin ich einfach nur "Shooter-orientiert" und so richtig interessieren mich keine Stories. Stimmt aber nicht - es ist eher das Gegenteil.
BioWare's Klassiker wie Baldur's Gate II oder Planescape Torment waren einsame Spitze - es waren Spiele, die mich stundenlang ans Universum fesselten.
Spiele mit Freiheiten... Spiele mit Abwechslung... Spiele mit Taktik und einem gewissen Schwierigkeitsgrad.
Spiele, die außer eintönig kalte Umgebungen mehr fantasyvolle Gelände dar bieten als die biedere Zukunft.

Leider hat sich BioWare dank "Dragon Age 2" und "Mass Effect 2" von dort an nur noch kontraproduktiv entwickelt.
Liebloses Design meets zeitlicher Stillstand.
Mimiken und Gestiken der Figuren wirken wie aus Baukästen zusammen gesetzt und ziemlich puppenhaft. Das ist mir nicht nur nachdem ich "Uncharted 3" durchgespielt hab, aufgefallen, sondern auch noch viele Augenblicke später. "Bemüht" würde Zeugnisdeutsch sagen.

Die Kamerafahrten oder Stillstandpositionen sind stets gleich. Gespräche beginnen oft vom Optischen her wie sonst auch - Kamera wartet bei zweitem Charakter, Hauptfigur stolpert rein. Auf Dauer: langweilig. Gespräche kann man mittels Leertaste abkürzen - so auch urst in die Länge gezogene Animationen, aber leider überspringt man damit nicht nur den aktuellen Satz, sondern auch noch viel mehr - man merkt's erst, nachdem das Gespräch dank Meilensteinabklapperung aus lauter Lücken besteht und man nachher garnicht so richtig weiß was los war.

Aber das hat auch gereicht. Ich muss mich nicht durch alles quälen, wenn mein Hirn diese Informationen garnicht speichern will.
Highlights wie beängstigende Spannung... dramatische Momente oder gar Endbosse sind lediglich im Ansatz vorhanden. Wie oft ich einen Cerberus-Atlas-Kampfroboter zerstört hab, will ich garnicht mehr wissen.
Außer genau EINE Person als individuellen Zwischenboss aufzeigen zu können, der noch nicht mal der "letzte Boss" ist, ist erbärmlich.

Auch wird am Anfang ein kleiner Junge von einer gigantischen Reaperkanone erfasst (man sieht es nur von ganz weit weg) - nachdem er fast gerettet wurde - und taucht fortan in Shepards seltenen Alpträumen auf - und verbrennt. Schuldgefühle plagen ihn - aber nur im Moment als er aufwacht. Ansonsten ist er persönlichkeitsstark wie immer und dieser auf "tragisch"-geeichte Moment verkommt zur absoluten Luftnummer. Treibende Kraft gegen Aliens? Nix da.



Let's shoot together...

Dafür ist man aber wieder mit alten und neuen Gesichtern im Team unterwegs (maximal zu Dritt - inklusive Shepard) - gibt Anweisungen oder lässt einfach die KI machen. Fällt mal ein Mitglied im Kampf, kann man es wieder beleben (unendlich) oder einfach die ganzen Feinde wegputzen - gleicher Effekt. Geht einem selbst (nach Schild und Health) die Puste aus, stirbt man - Reload vom letzten Checkpoint nötig.
Health ist begrenzt (5 Balken - mittels Medigel auffüllbar), Schild lädt sich automatisch wieder auf.
5 Waffenklassen kann man mit sich tragen - Sniper, MG, Shotgun, Pistole 1 und Pistole 2. Es gibt eine große Auswahl und einige Upgrades zu kaufen (wohingegen einige Updates gegen einen eindeutigen Preis nicht eindeutiges verändern....), die die Kapazität, den Schaden oder die Präzision aufbessern.
Das - genauso wie Rüstungsteile - findet man entweder im jeweiligen Level oder kann es in der Zentrale, der Citadel käuflich erwerben.

An der Entwicklung von einem selbst und seinen Crewmembern ist man eigenmächtig beteiligt oder überlässt der Automatik die Kontrolle. Wie gewohnt gibt es einige Eigenschaften wie Brandschuss oder Adrenalinfunktion, die man bis zu einigen Stufen aufleveln und während des Kampfes mittels einer Pause-Funktion einsetzen kann.
Achtung: Granaten werden genauso eingesetzt und sind im undurchsichtigen Menü nur schlecht zu erkennen.

Das Dürftige am Spiel selbst ist, dass die Citadel genauso wie die Normandy (euer Raumschiff) die einzigen Ruhepunkte sind. Es gibt keine weitere neutrale Stadt. Es gibt auch kaum Nebenquests, die sich sehr sehr gern mit langweiligen Aufgaben wie (Reise zum Planeten X und beschütze da ein Terminal vor Gegnermassen) bestehen oder einfach im Vorbeigehen von nichts sagenden Charakteren automatisch an dich verteilt werden und nur verlangen, dass ihr ins System X fliegt, mittels Radarsondierung in einem Minispiel den Schatz sucht, eine Sonde auf den Planeten schießt und das Zeug zurück bringt.
Zeitaufwand: 10 Minuten, immer der gleiche Ablauf. Die Reaper dürfen euch nur nicht erwischen - immerhin ist jetzt das Universum voll von denen. Wer zu oft mit dem Radar spielt, lockt die feindlichen Schiffe an, die bei Kontakt euch sofort zerstören. Klasse!

Gespräche sind auch nicht mehr das was sie waren - entweder gibt es lausige Zusatzinfos zu beliebigen Themen - oder es wartet jeweils eine "vorbildliche" und/oder eine "böse" Reaktion Shepards vom Spieler gewählt zu werden. Die Gute ist im Rotation-Multiple-Choice-Menü immer oben rechts, die böse unten links.
Aber letztendlich entscheidet ihr erst am Ende was ihr haben wollt - es gibt 3 Endsequenzen, die sich aber nahezu gleichen wie ein Apfel dem anderen.

Springen kann Shepard immer noch nicht, dafür aber über niedrige Deckung mit einem Move rüberklettern. Munition findet man zufällig - genauso wie Waffen, Rüstung und Credits einfach auf dem Weg des eintönigen Schlauch-Level-Systems.

Das Spiel dauerte für meinen Geschmack ein wenig zu lang - und führte mich dahin, wo ich jetzt stehe: NICHTS, rein garnichts mehr zu testen was mit "Mass Effect 3" zu tun hat.

Warum beispielsweise die netten Fahr-Abschnitte aus Teil 1 immer noch fehlen und man nun öfters hinter einem fest montierten Geschütz Moorhühner... äh... Cerberus schießt, ist mir unerklärlich.
Ach... und werft, falls ihr's kauft, mal einen Blick ins Questbuch. So genial und übersichtlich wie das hab' ich noch nie eins gesehen...



Sonstiges:
  • ein Inventar gibt es nicht
  • Munition ist die meiste Zeit ausreichend vorhanden
  • eine Liebesbeziehung ist wieder möglich - ergibt sich aber meist erst zum Schluss (bei mir ging keine parallel - was aber vermutlich doch noch ein wenig Atmosphäre rauskitzeln konnte - Sexszenen sind sehr kurz und dezent - man sieht quasi nichts (kein Vergleich zu "The Witcher 2"))
  • die Übersichtskarte ist gewöhnungsbedürftig und eher schlecht als recht
  • Nebenquests kann man nicht "markern"
  • Spiel besitzt engl. Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln (engl. Sprecher sehr professionell - auch berühmte Schauspieler darunter)



Fazit:
Mass Effect 3 ist ein Versuch gescheiterter Natur eine Geschichte konkurrenzfähig spannend und animationstechnisch nachvollziehbar zu gestalten. Das Epos ist zuende - meine Reaktion: mirdochegal.
20 Stunden mehr Langeweile und stupides Abwechseln von einfallslosem Shooting gegen Klonarmeen in lieblosen Schlauchlevels und endlos kaugummi-charakteristischem Blabla der Güteklasse A.
BioWare... was ist nur los mit dir?
Jade Empire, Planescape Torment, Baldur's Gate 2 oder MDK 2 waren Hits, die noch heute ihresgleichen suchen... aber dein Casual-Zeug kannst du bitte für dich behalten.
Ich finde es nur unerhört wie teilweise bombastisch dieses Game in der Presse absahnt und ich dabei ein "Uncharted 3" im Vergleich habe, was bei würdevollen 90% ein UNvergessliches Erlebnis bringt.
Krass.

Kommentare:

  1. Hm, so sehr ich auch Rollenspiele mag, und so sehr die Mass Effect Reihe auch gefeiert wurde, war bei mir schon bei Mass Effect 1 nach ein paar Stunden Schluss. Liegt es daran, dass ich mich eher zum Fantasy-Genre hingezogen fühle, oder sind die Mass Effect Spiele vielleicht doch nicht so der Knaller, wie allgemein behauptet wird?

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  2. Spaß bringend waren die ersten Teile schon, aber ein Knaller noch nie. Bei mir ist zumindest nix hängen geblieben.

    Und ziemlich komisch ist auch die Darstellung: man sieht einen 3rd-Person-Shooter, quatscht sich aber den Mund im ersten Teil bereits zu Beginn in der Citadel fast eine Stunde lang fusselig.
    Klarer Fall von Zielgruppenverscheuchung.

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