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Montag, 8. Juli 2013

Der Ninja an der Kletterwand (Special)

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Sehr verehrte Leserinnen, sehr verehrte Leser,

obwohl ich die vergangene Arbeitswoche doch seelisch und arbeitstechnisch recht ausgelastet war und dieses Wochenende doch mit jedem Atemzug sehnlichst und fiebernd herbeigesehnt habe, verzichtete ich am Samstag auf sinnvolle Aktivitäten wie Herumdösen, Zocken und Schlafen - und besuchte mit einem Kumpel die "Boulderwelt" in München am Ostbahnhof → http://www.boulderwelt-muenchen.de.


"Bouldern" könnt ihr ganz kurz auch mit "Klettern" gleichsetzen, obwohl dieses spezielle Wort natürlich anders als "Climbing" (sonst hieße es ja "Climbingwelt") noch eine gewisse Eigenheit mitbringt.
"boulder" (engl.) heißt in deutsch "Felsblock" und das "bouldern" an sich ist einfaches Klettern ohne Seil und Gurt in Absprunghöhe. Also über 4,5m Höhe kommt ihr nicht. Wer mitmachen will, braucht lediglich Sportbekleidung, ein Paar Kletterschuhe (kann gegen eine Gebühr ausgeliehen werden, vernünftige kosten ca. 80 €, können im Einzelfall aber sogar im dreistelligen Bereich landen) und bei Bedarf einen "Chalkbag" mit Magnesium, damit die verschwitzten Hände die Griffe (für jedermann) nicht schmierig machen und man selbst natürlich auch nicht abrutscht.

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Die Kletterwelt erstreckt sich größtenteils über mehrere Bereiche inner- und einem kleineren außerhalb der vielfältigen und großen Halle, die man am besten vormittags, am Wochenende oder im Sommer an sehr heißen Tagen besucht, da es bei kompletter Auslastung eventuell nicht alle Leute anspricht vor jedermanns Augen herumzuklettern. Ich beispielsweise mag es nicht, wenn fremde Leute mir bei Aufgaben zuschauen (kann alles mögliche sein, thematisch nicht eingeschränkt). Doch beim Klettern verliert man meistens die Gedanken an die Menschenmenge und ist so vertieft im Meistern der aktuellen Route / des aktuellen "Problems" und schaut erst wieder nach unten, nachdem man den Zielgriff erreicht hat und nach unten schauen muss, ob da nicht gerade jemand lang läuft oder gar jemand verbotenerweise unter einem klettert.

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Auch dient das Bouldern dem gemeinsamen Analysieren, kommunikativem Planen und Austauschen von Tipps untereinander - und hat so die Chance neue Leute kennenzulernen. Da wir hier sowieso in einer Großstadt sind, kann man unkompliziert Leute ansprechen, sich kurz austauschen und dann wieder getrennte Wege gehen - oder sich so gut verstehen, dass man sich zukünftig immer wieder gemeinsam zu einer Session trifft.

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Sehr interessant fand' ich dabei die Wände mit bestimmten "Regeln" an sich: Man hat immer einen Startgriff, an dem man sich mit beiden Händen festhalten muss und eventuell (günstigsterweise) ein Paar Tritte in der Nähe - denn die Route fängt erst an, wenn deine Füße vom Boden abheben und beide Hände am Startgriff hängen.

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Und jetzt kommt das Spannende: Obwohl die Wand schier unendlich Griffe und Tritte anbietet, darf man nur die seinen benutzen - auch wenn man auf ein und demselben Tritt umspringen muss oder anders keine Möglichkeit findet den nächsten Griff zu erreichen. Die blanke Wand darf auch benutzt werden - und ist auch für Kletterschuhe prädestiniert, da eine hohe Reibungskraft / Haftung garantiert wird. Die Route an sich ist durch Griffe und Tritte (ich nenne sie in Zukunft mal Wandsteine) farbig gekennzeichnet - so fängt man als Beginner mit der Farbe "Schwarz-Blau" an, arbeitet sich durch "Schwarz-Gelb", "Gelb", "Grün" weiter zu "Rot" oder "Weiß" bzw. "Schwarz" (erinnert ein wenig an die Graduierung von "Karate"), wobei manche Farben wie "Rot" durchgängig von "Leicht" bis "Superschwer" vorhanden sind.
Alle Schwarz-Blauen und ein paar Schwarz-Gelbe hab' ich an dem Tag zwar geschafft (wir waren ca. 3,5 Stunden dort drin), doch ich selbst bin noch weit entfernt vom Tom Cruise in Mission Impossible 2 ;)


...oder den wahren Profis, die dort in München regelmäßig ihre Wettkämpfe austragen:


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Doch meinem Kumpel gebührt hier die eigentliche Ehre, der mich nicht nur mit umfangreichen Informationen, Tutorials und Tipps und Tricks eingedeckt und vorbereitet hat, sondern auch selbst der wahre Ninja der Kletterwand ist. So manche Drehung, so manches Manöver oder dem Hängen an den Wandsteinen ohne jegliche Nutzung von Tritten (ist an den "Zähnen" beispielsweise gar nicht möglich) war einfach nur verblüffend und forderte mich quasi innerlich dazu auf da auch mal etwas Ähnliches zu probieren - immerhin sah es ja alles so geschmeidig leicht aus. Und dann PLUMPS! - da saß der Pats schon auf seinem Hintern.

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Man braucht in der Tat ziemlich viel Muskelkraft in den Armen und muss seine Fingerpower außerordentlich trainiert haben, sodass man nachher noch Möglichkeiten hat sich nicht nur hochzuziehen oder festzuhalten, sondern auch den Griff entsprechend wie mit zwei chinesischen Stäbchen mit den eigenen Fingerspitzen zu umklammern, da nirgends eine Mulde ist, in die man hinein fassen kann. So machte ich nach wenigen Stunden schlapp - und mein Elan musste sich dem verdammten Körper beugen, der dafür momentan zu untrainiert ist.

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Als ich nach Hause kam, musste ich bei genauerer Obduktion meiner Hände mit Entsetzen feststellen, dass sie vor dem Bouldern einmal anders in Erinnerung hatte...

Aber die Erfahrungen, die ich dort gestern sammelte, waren es alle Male wert! Auch wenn ich heute noch den Muskelkater in den Unterarmen spüre und meine Handflächen ein wenig Haut hier und dort verloren haben, kann ich's doch nur jedem empfehlen!
Vor allem bietet die Kletterwelt regelmäßig Kurse für Einsteiger und Fortgeschrittene an, macht Gewinnspiele mit Fotoposts von Griffen / Tritten auf Facebook, die man auf dem Gelände als erster finden muss, macht an "Single Night"-Tagen Kletterveranstaltungen für Liebessuchende bis 24 Uhr oder ermöglicht Kindergeburtstage (und glaubt mir: Die Kinder haben's an der Wand echt drauf und stellen so manchen (mich) in den Schatten).
Wie ihr seht ist also für jeden etwas dabei!



Also... trifft man sich in der Boulderwelt?

Kommentare:

  1. Das klingt ja toll! Bisher war ich noch nie in so einer Kletterhalle, weil ich eigentlich Höhenangst habe. Da kommt es aber auch immer drauf an, wie man gesichert ist und wie hoch es geht usw.

    Deine Blessuren danach sehen ja wirklich schlimm aus, du Ärmster! Hoffentlich wurdest du zuhause schön verarztet. ;D

    Auf jeden Fall ein toller Bericht! Ich mag dein eingebautes Farbschema sehr!

    Liebe Grüße!

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    1. Danke danke danke! :)
      Ich wäre gespannt wie du die Wände da findest - ein Fall und du landest butterweich - passieren kann dir da vielleicht nur mit Glasknochen und provoziert dummen Aufprall was. Ansonsten achtet man nicht auf die Höhe - und selbst wenn: Sieht alles human aus! :)

      Nina war leider nicht Zuhause, also musste meine raue Zunge das Nötigste erledigen.

      Danke für die Farbschema-Resonanz. Toll, dass ich meine Begeisterung, die ich früher bei einem leider nicht mehr existierenden Blog der guten Livi und dem dort auch eingesetzten Farbstil hatte, hier weitergeben kann. :)

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  2. Hast du mal an Climbing, also mit Seil, teilgenommen und kannst sagen, was dir mehr zu sagt?
    Bouldern kannte ich bisher noch nicht. Sieht für mich auf den ersten Blick sehr interessant aus. Würde auch gerne an sowas teilnehmen, aber bei uns in der Nähe ist bis auf Fitnessstudios tote Hose.

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    1. Hai Phin! :)

      Climbing noch nicht, nein. Vom Gefühl her finde ich Bouldern aber interessanter, da man da ohne Sicherungsmechanismen / -aktionen an der Wand klebt und halt immer den "Absturz"gedanken im Nacken hat. Von München bin ich auch so ca. 'ne Stunde entfernt. Wo wohnst du denn?

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    2. Wohne in Worms. Die nächste Halle in der man bouldern könnte wäre in Frankfurt. Aber das wären für ein paar Stunden Bouldern 3 Stunden Zugfahrt. :(

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  3. Respekt, dass du am Wochenende noch genug Energie hast um sowas zu machen! Ich brauche im Moment jedes Wochenende zum Durchschlafen um die Arbeitswochen auszuhalten..... :-/ Da war unser Siemens damals echt lustig gegen ;)

    Bouldern wäre aber glaube ich auch sonst nichts für mich, da bin ich definitiv viel zu untrainiert für!! (Du kannst dich bestimmt noch an meine unglaubliche Motivation beim Sport erinnern.... wenn es mal nicht darum ging sich mit Weber anzulegen..;)

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  4. PS: "Gefällt mir"/"Gefällt mir nicht" wird von mir boykottiert! Wir sind hier nicht bei Facebook, und dass ich deine Posts lese muss ich dir damit nicht zeigen, das weisst du sowieso.....

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    1. Mach wie es dir beliebt! :D Ich liebe es auf YouTube die "Daumen hoch / runter"-Buttons anzuklicken und somit einen minimalen Anteil an sicht- und auswertbarem Feedback beizusteuern - aber das ist hier weder Pflicht, noch provoziert es suggestive Trauer. :)

      Jaja - ich kann dir sagen: Das mit dem Bouldern ist auch nur ab und zu eine Ausnahme. Das letzte Mal wird's nicht gewesen sein, aber die Wochenenden (gerade oder auch wenn's schön ist) lunger ich Zuhause rum. Alternative wäre Weiher mit Bekannten oder mit Nina was machen. Aber so brauch' ich auch meine Zeit - und auch gern den Schlaf. :) (die Nachmittagsnickerchen aus der Kinderzeit feiern gerade ihre Wiedergeburt! :D )

      Und jepp - die Siemenszeit. Regelmäßige und lange Pausen, 15 Uhr schon Feierabend - und dazu noch hohe unternehmerische Standards, dass man sich schon ein bisschen wie bei den Königen gefühlt hat. :) Wie lange brauchst du bis zur Arbeit?

      Und ja - Weber! :D Ich glaube selbst als Geist würde der noch weiter seine unterirdischen Witzchen reißen - und dabei gar nicht raffen, dass man ihn gar nicht bemerken kann. ;) Für die Kletterwand allgemein bin ich auch noch recht untrainiert - seit der Arbeit hab' ich zugenommen und versuche den Speck erst einmal wieder runterzukriegen. Wie allerdings Kollegen während der Woche zum Fitnesstraining UND zum Bouldern fahren können, ist mir ein Rätsel. Für Fitnesscenter werde ich kein Geld der Welt jemals nochmal opfern. Bin ich viel zu faul für.

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