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Mittwoch, 8. Januar 2014

Brothers - A Tale of Two Sons

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⁂ Einfach zauberhaft ⁂

Es ist wieder so weit - eines dieser Spiele steht auf dem Prüfstand, das sich nahezu jeglicher Kritik entziehen kann, weil es dermaßen gut, innovativ, überraschend und seelenummantelnd ist, dass man sich gar nicht erst dem Sog dieses Titels nach kurzem Antesten entziehen kann bis der Abspann über den Bildschirm flimmert.
"Brothers" heißt einer dieser wenigen Titel pro Jahr, der vom Scheitel bis zur Sohle vollends überzeugen kann. Schade ist vor allen Dingen, dass ich euch das Ding nun erst nach dem Weihnachts-Steam-Sale empfehle, denn aktuell kostet's wieder ca. 14 € ( http://store.steampowered.com/app/225080/ ) und obwohl sie jeden Cent wert sind, hätte man das Spiel neulich für teilweise 5 € ergattern können. Auf den Wunschzettel solltet ihr es euch trotz alledem packen, insofern ihr es nicht schon gekauft habt!
Der Titel wurde von den mittlerweile bekannten "Starbreeze Studios" erschaffen, die vor allem mit den beiden "Chronicles of Riddick"-Teilen oder dem Shooter-Remake "Syndicate" auf sich aufmerksam machten, aber auch "Enclave", "Knights of the Temple 1" oder "The Darkness 1" (nicht den zweiten Teil) und auch an "Payday 2" mitwirkten. Das sind alles sehr gute und vor allem technisch einwandfreie Titel. Ich weiß noch wie oft ich damals die "Enclave"-Demo zockte und nicht nur von dem geilen Grafiksetting inkl. hübschem Wellengang (Anno 2003 ganz was Neues) bewegt war. Die Jungs haben's drauf und ich komm' um kein Produkt von denen drum herum.

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"Brothers" geht aber nun noch eine Stufe weiter und hat mich gefühlsmäßig so gepackt wie es nur wenige Titel können. Das Abenteuer dreht sich um die titelgebenden Brüder, die für ihren Vater ein Heilmittel suchen müssen und sich dafür auf eine unerwartete, schöne, weite Reise begeben. Im Spiel wird zwar gesprochen, aber eher ein sympathisches Kauderwelsch Marke "Simlisch" anstatt normal Englisch / Deutsch. Untertitel gibt's dazu nicht. Man versteht die Charaktere, denen man begegnet, auch so - ganz ohne Sprechblasen mit Symbolen oder so. Großartig.


Der große Clou kommt aber noch: Das Spiel setzt auch auf Windows einen Controller voraus (getestet mit meinem XBox-WiFi-Controller). Das mag zwar bei Leserinnen und Lesern, die keinen besitzen, eventuell negativ aufstoßen, aber lasst euch versichern: Dieser Controller ist Grundlage des innovativen Spielerlebnisses. Mit dem linken Analogstick steuert ihr den größeren Bruder und mit dem rechten den kleineren. Die auf der entsprechenden Seite befindlichen Schultertasten lassen sie mit Dingen interagieren.

Hier müssen wir den wilden Hund (rechts) davon abhalten uns zu fressen. Dazu lenkt der eine den Hund mit lauten Rufen und Wedeln mit den Armen ab und der andere rückt vor. Toll! // via

Die Herausforderung ist nun die beiden simultan zu steuern und sich dabei nicht zu verzetteln. Keine Angst: Viel zu versemmeln gibt es nicht, dieses Spiel ist ein ca. 4-stündiges Storyerlebnis. Trotzdem ist's witzig und teilweise schon recht anspruchsvoll seinen Händen klarzumachen welcher von beiden jetzt mit welchen Tasten gesteuert wird, wenn sich gerade die Position beider auf dem Monitor verändert hat und der kleinere Bruder auf einmal links und der größere rechts ist. Dass die beiden nicht ohne können, merkt ihr recht schnell: Der große macht gerne die Räuberleiter für den kleinen, wenn's irgendwo nicht weiter geht. Der große ist erwachsen und zeigt Charakteren auf der Reise immer die Karte zum Ziel, wohingegen der kleinere durch Witz und Experimentierbereitschaft weiter kommt oder gar durch enge Spalten passt.

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Es ist wundervoll die beiden auf einem Ruderboot oder einem Gleiter zu steuern und zum Ziel zu Manövrieren. Am besten hat mir jedoch die Szene gefallen als sie beide mit einem Seil verbunden sind und der eine durch den Halt des anderen an unerreichbare Vorsprünge schwingen kann.

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Das zu sehen und durchzuführen, ist nicht nur unheimlich genial, sondern zeigt immer wieder wie cool die Steuerung und das Ideenreichtum der Entwickler ist. Klar dass das Spiel weniger im Laden als rein digital zu finden ist. Solch kleine Projekte erinnern wieder an die Anfangszeit der Videospiele als man noch mit Wagnissen und Innovationsreichtum an Projekte mit Leib und Seele rangegangen ist. Die Entwickler wissen aber vor allem mit Optik und Musik den Spieler dann letztendlich zu 100% zu erreichen.

Hier müssen wir den durch eine Leiche blockierten Weg freimachen. Ab hier wird's recht düster und deshalb umso spannender!

Umso weiter die Reise geht, umso schwerer wird's für die beiden, wie man merkt - und umso düsterer und gefährlicher wird die Umgebung. Krass ist das Schlachtfeld der Riesen, die die kleinen Gräben, in denen sich die Jungs bewegen, mit ihrem Blut tränken und Flüsse rot färben. Oder das verschneite Dorf, in dem... nein... das spielt ihr lieber mal selbst. ;)

Mit der Säge verschaffen wir uns einen Schluchtübergang. Rechts sind verschneite Einwohner zu sehen. Was dies wohl zu bedeuten hat?

Wer "Journey" mochte, wird das erwachsene Kunstwerk hier ebenso lieben. Allen voran, weil die Fantasy-Welt mit allen möglichen Fabelwesen nicht schöner hätte aussehen können. Und dabei ist es die betagte Unreal-Engine, der man keineswegs ansieht, dass es tatsächlich sie ist. Was hier herausgeholt und wie Objekte aneinander gereiht wurden, verschafft nicht nur immer wieder imposante Panoramaeindrücke, sondern richtet die Kamera stets auf's malerische und detailverliebte Gesamte aus.
Ein Augenschmaus, ich sag's euch!
Cool ist außerdem, dass man sich immer wieder mal auf Bänken niederlassen kann, um den Moment und die Aussicht zu genießen. Ganz toll! :)


Fazit:
KAUFEN!

Kommentare:

  1. Ich war hin und wieder verwirrt, während ich beide Figuren gleichzeitig über längere Strecken steuern musste.
    Anstelle der Steuerungs-Wahl, hätte sich meiner Meinung nach ein Kooperativ-Modus angeboten.

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    1. Die "Verwirrung" ist ja gewünscht und gerade auch ein Ergebnis eines ungewohnt neuartigen Spielgefühls. :) Das mit dem KOOP-Wunsch habe ich vor dem Spielen mir prinzipiell auch noch erhofft, aber wenn du das Gamepad entzwei brechen würdest, wären lediglich 2 Atari-Joysticks übrig geblieben. Jeweils ein Control-Stick und ein Button - mehr nicht.

      Das klappt vllt bei Chaos Engine, das auf ein anderes Gameplay ausgelegt ist, aber Brothers würde es spielerisch abwerten. Zumal sich gerade die Schluss-Szenen nicht so anfühlen wie gewollt und die man zu beiden Brüdern Beziehungen durch direkte Steuerung aufbaut. :)

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