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Sonntag, 27. November 2011

Venus Hostage




Interessante Unverschämtheit

Schonmal was von "Venus Hostage" gehört? Nein? Das macht nichts - immerhin hätte auch nur der liebe Gott von diesem Indie-Produkt aus russischer Hand wissen können. "Mirage-lab" ist dafür verantwortlich - ihrem ersten Ableger. Offiziell ist er nur von der eigenen Homepage erhältlich, auf der auch ein 50-sekündiger Trailer sichtbar ist, der so gut wie alle Ingame-Cutscenes zeigt, die das Spiel in seiner 1-Stunde-Spieldauer zu bieten hat.

"Echt, so schnell ist das Ding vorbei?" - Jawollja... leider ist dem so. Nur wieso verlangen die Typen soviel Geld (17 Dollar) für ihr "Baby"? Immerhin ist es ein Indie-Titel und benutzt meines Erachtens nach die Source-Graphics-Engine - ist also solide und mit netten Texturen, dafür aber schon etwas altbackener Grafik in Szene gesetzt.

Man spielt den Hauptcharakter "Jack" in diesem FPS (First Person Shooter)-"Rätsel"-Spiel, der durch einen Chat mit einer mysteriösen Dame ein Blind-Date arrangiert, sie trifft, im Bett ordentlich durchzappeln lässt und nach dem Schläfchen von perversen Sadomasomaskenträgern entführt wird. Steckt sein Mädel dahinter? Oder doch jemand anderes? Man kommt der Sache auf die Spur...

Dabei nimmt man mit der linken Maustaste Gegenstände auf und wirft sie umher, um mittels Holzkisten Leitern zu erreichen, Zahnräder irgendwo einzusetzen oder kurzzeitig inventarisierte Items um die nächste Ecke einzusetzen (Tür aufschließen beispielsweise). Ab und zu kommt es vor, dass ein Gegenstand aber auch als Waffe herhält - ein Knüppel, Baseballschläger, eine Shotgun oder ein Megadildopresslufthammer.
Dabei ist nicht nur die Gegner-KI Serious Sam-like unterirdisch, sondern auch die Tatsache, dass es einen Part mit der Shotgun gibt, in dem ihr 3 Typen nieder schießt und sie nie wieder zum Einsatz kommt. Immerhin ist jeder Levelabschnitt sehr klein und beim Wechsel verliert man seine Sachen und kann nicht mehr zurückkehren. Dabei ist man oftmals mit der Umgebung beschäftigung und versucht von A nach B zu kommen - dass es meistens auf der Hand liegt wie es weiter geht (Auto von Schräge lösen, damit es eine Wand zerschrottet) ist sehr vergnüglich und das Spiel bietet auch viele nette verliebte Ideen (auf einem Fernseher sieht man ein Live-Überwachungsbild des Flures - aber nicht in Echtzeit, sondern abgehackt - wie man es eben von Kameras mit wenigen FPS (frames per second) kennt).
Der Schwierigkeitsgrad ist leicht - stirbt man mal (Energieleiste gibt es, ist aber meistens uninteressant, da eh nichts passiert), beginnt man den Abschnitt von vorn. Selbst speichern oder Checkpoints gibt es nicht - und ist auch Quatsch.

Nach einer Stunde sieht man das enttäuschende Ende. Aber irgendwie war es unterhaltsam, dass Jack hier und da mal ein Schäferstündchen mit einer Dame hat, was Nackheit, aber meist nur Titten zeigt. Da die Cutscenes aber ingame sind und es von Indie-Leuten entwickelt wurde, sieht es aller Erwartung nach ziemlich holprig und steif aus - halt puppenhaft. Aber das ist auch in Ordnung - Motion Capturing ist eben zu aufwendig und teuer.
Aber der Preis für 1 Stunde innovativen Spaß?
Das ist echter Wucher!
Da kann man eben auch drauf verzichten. Tut mir den Gefallen und wartet bis es billiger wird.
Wer seine Homepage total lieblos dahinschleudert und in die Rubrik "About us" lediglich "We are a small team of independent developers" hinschreibt, gehört echt ausgepeitscht.
Aber immerhin hat das Spiel englische Sprachausgabe und klingt leicht britisch - und nicht nicht russisch.



Fazit:
Ein echt nettes Rätsel-Shooter-Spielchen mit extrem knapper Spielzeit, aber vielen spaßigen Ideen. Auf den Spuren von Penumbra quasi. Kauft's euch aber noch nicht - der Preis ist unverschämt hoch.

Samstag, 26. November 2011

The Fall - Mutant City



Staubig wie die Wüste

Kennt jemand noch das Endzeit-Taktik-RPG "The Fall: Last Days of Gaia" von Silver Style Entertainment - einer deutschen Entwicklerschmiede aus Berlin? Na jedenfalls erschien das Spiel 2004 - und nun, 7 Jahre später, erscheint der erst vor kurzem angekündigte Nachfolger. Nur irritierenderweise ist aus dem ursprünglichen Spielprinzip, das den ersten beiden Fallouts ähnelte, ein waschechtes Point & Clickadventure geworden. Problem: nach ca. 1,5 Stunden ist der 20 € teure "Spaß" wieder vorbei.



Öde

Das Spiel fängt unvermittelt an: ihr seid irgendein harter Typ, gestrandet neben einem Truck mitten im Ödland vor einer Kuppel, in der sich eine Stadt und vielleicht auch ein wenig Hilfe befindet. Hilfe wofür? Der liebe Hauptcharakter hat irgendeine Krankheit und braucht ein seltenes Gegenmittel. Und das gilt es zu finden. Jedenfalls ist der Cel-Shading-Look, welcher nur ein wenig angedeutet ist, ganz nett, aber leider wird er von den holprigen Charakterbewegungen ausgehebelt. Anno 2011 dürfen einfach solch billigen Animationen nicht mehr sein - besonders nicht, wenn man die wenigen Charaktere in Nahaufnahme wie Puppen quatschen sieht. Zurück zur Story: die fängt ohne Intro plötzlich an und die ersten Klicks sind superklar: Inventar ist unten am Bildschirmrand, Gegenstände lassen sich kombinieren, mittels der "H"-Taste sieht man sofort alle Hotspots auf einem Blick und mehr als eine Aktion lässt sich mit einem Hotspot sowieso nicht machen. Die Schriftart könnte "Arial Fat" sein, jedenfalls überzeugt sie - genauso wie die langweiligen Gespräche nicht von Kreativität.
Des Weiteren wackelt der Charakter so durch das 2D-3D-Endzeitszenario, wobei man nicht mehr als 20 Screens maximal hat, was das gesamte Spiel darstellt.
Ein Doppelklick löst noch nichtmal eine Beschleunigung der Figur aus, weswegen ich mich erst tierisch aufregte, da man hin und wieder mal dort und dahin rennt. Aber nach 1,5 Stunden wurde mir plötzlich klar, warum man sich nicht für so ein Feature entschied - immerhin war dies doch bei Simon - The Sorcerer 4 und 5 (die neuartigen, charakterlosen Abenteuer des sonst eigentlich sehr charismatischen Zauberers) der Fall.
Auch eine nutzbare Lösungshilfe (was eh häufig nicht gebraucht wird) gibt auf Wunsch ohne Bezahlung bis zu 3 Tipps frei - wobei der dritte Tipp schon die Lösung ist.
Der Plot sorgt später noch mit dem Propheten für Verwirrung und ist sonst auch nicht so klar - so schnell werden neue Dinge und Charaktere herbeigeführt, dass der unvermittelte Tod des Einen schon völlig schnuppe ist - man schloss ihn eh nicht innerhalb von 3 Minuten ins Herz.



Fazit:
Ideen- und witzlos kommt ein P&C-Adventure daher und macht Schande über sich selbst. Was die Entwickler sich beim Genrewechsel wohl gedacht haben? Und das noch 7 Jahre später... ich habe keine Ahnung was das für einen Sinn haben sollte....

Julia - Tödliches Verlangen



Neues Cover = Böses Omen?!

In der Tat! Ursprünglich sollte mal ein viel netteres Cover für das oft verschobene Point and Clickadventure herhalten, doch da es sich geändert hat und nun draußen ist, dazu noch eine übelst schlechte Figur macht und dazu noch die vielen Verschiebungen nicht rechtfertigt, fragt man sich: war da der Teufel im Spiel?
Die Entwickler Artematica hat bisher nur für Smartphones Spiele entwickelt und ein paar kleinere Ableger wie "Diabolik" für den PC rausgebracht. Die entwickeln hauptsächlich Adventures, aber auch Arcademist.

Jedenfalls ist Julia von mir nach 10 öden Minuten Spielzeit wieder von der Festplatte geflogen. Warum?



Darum

Die Geschichte fängt mit einem sehr altbacken hässlichen Intro an, in dem ein Farmer eine blutige Frau vom Hause weg trägt und ein Kind durch das eben verlassene Haus aus dem Fenster im ersten Stock erschrocken zuguckt. Laut der Zeitung wurde der Killer gefasst und man switcht zu Beginn zu einer Universitätslehrerin, die die Nachricht erhält, dass die Polizei mit ihr sprechen möchte. Das Adventure ist klassisch aufgebaut: in 3D-Grafik und starrer Kamera. Draußen im Flur aber lässt sich die Cam 360° drehen, weshalb sich die Entwickler selbst der Fähigkeit berauben tolle Hintergründe durch eben eine STARRE Kamera zu entwerfen. Somit wird aus dem bescheuerten Feature eine Nervenangelegenheit. Julia schlendern extrem langsam und wird auf Knopfdruck auch nicht schneller. Sinnlose Kommentare gibt es wegen wenig Gegenständen eher kaum, aber wenn sie mal auftreten, werden sie in gnadenlos hässlichen Textboxen präsentiert: Bemerkungen wie "Mein Autoschlüssel", "Mein Sandwich" oder "Mein Spiegel" haben beim Durchkramen ihrer Handtasche einfach nichts zu suchen. Es ist mir schon klar, dass es ihres gehört - vielleicht wären Erinnerungs-Bemerkungen lebhafter gewesen.
Egal - Gespräche lassen sich nicht abkürzen, indem man den gelesenen Text schneller wegklickt, Spannung kommt nicht auf und wird durch die übertrieben lang(sam)en Laufereien komplett zerstört. Das Spiel wirkt wie von 2002.



Fazit:
Adventurefans lassen die Finger von diesem Machwerk.