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Dienstag, 8. November 2011

Disney Universe




Disney's großer Ideenklau

Ein neues Spiel von den Disney Interactive Studios - das klingt doch soweit ganz nett. Zumindest wenn es um Spielefreunde geht, die entweder nichts gegen kindliche Unterhaltung haben oder Kinder eben selbst.
Und letztere sind hier dann leider doch die eindeutige Zielgruppe. Nur leider haben sie dabei dreist geklaut... also "geklaut". Und zwar von den üblichen LEGO Games wie beispielsweise LEGO Star Wars, Indiana Jones, Batman, Harry Potter usw.. "Geklaut", weil sie ja vorher Publisher waren und "Travellers Tales" die eigentlichen Entwickler.
Das übliche Spielprinzip mit einer allgemein seitlichen und festen Kamera, das genug Raum zur Entfaltung für 2 Spieler in bunten Levels mit dutzenden Sammelgegenständen und Miniaufgaben / -spielchen lässt wurde dabei dreist übernommen.
Dreist, weil: ... es eben zu LEGO gehört.



Hässliche Nichtssager

Die Hauptdarsteller sind dabei irgendwelche nichtssagenden komischen bunten Figuren, die selbst in Kostümen stecken, die bestimmten Figuren von berühmten Disneyfilmen nachempfunden sind: Pumba aus König der Löwen, der Hauptdarsteller von TRON, die Grinsekatze aus Alice im Wunderland usw.. Nur leider sind das ganz offensichtliche Kostüme wie man sie auf dem Gamecover oben auch sieht: die hässlichen No-Name-Akteure sind also trotzdem noch zu sehen. Und ihre widerlich gemeinen ... Entschuldigung *räusper* ... FRESSEN. Denn im Spiel selbst ist das Motto nämlich: "Jeder ist sich selbst der Nächste!" und so kann man entweder als fluch-verwandelte Bombe sich selbst auf seine Kosten sprengen oder die Bombe an jemand anderen abgeben - und dieser verliert dann ein Teil seiner gesammelten Punkte. So ist auch Friendly Fire aktiviert und man kann noch nichtmal gemeinsam sich gegen die Gegner erwehren, die auf einen anstürmen, sondern kloppt sich selbst ständig zu Brei. Gut, dass man unendlich Leben hat und nur beim Tod immer Points verliert, die genauso wie bei LEGO die Währung darstellen um gefundene Kostüme oder neue Themenwelten freizuschalten.

Aber nochmal zurück zur Story: die dreht sich im Allgemeinen darum, dass irgendwelche Disneykulissen (ähnlich wie im Filmpark Babelsberg) mit hilfreichen Butlerrobotern bestückt wurden, um den Besuchern mehr Freude zu schaffen und allgemein für Sicherheit zu sorgen. Ein Virus kam und hat nun alles verseucht. Nun herrscht Stunk und Chaos - und ihr müsst dort aufräumen. Pro Welt (König der Löwen, Fluch der Karibik, Alice, usw.) gibt es 3 Level, die versuchen charakteristische Szenen nachzustellen. Nur leider klappt das so gut wie garnicht: alles ist irgendwie zusammenklamüsert und mit netten Miniaufgaben gefüllt (mal schießt man mit Kanonenkugeln, setzt Gegenstände ein oder zieht Figuren auf Plattformen, löst Zusatzherausforderungen oder lockt die immergleichen Klonroboterviecher in irgendeine Falle.
Dabei gibt es stets kleine oder große Disneywährungen aufzusammeln. Manchmal auch Collectable Items oder andere Dinge - manchmal liegen sie so rum, verstecken sich in zerschlagbaren Objekten oder Gegner lassen sie beim Ableben fallen. Dabei fallen die Aufgaben aber auch gern wiederholend aus und bieten ein durchschaubares und immer gleiches Prinzip: beispielsweise das "Schwert" in "Fluch der Karibik" in irgendeinen Sockel stecken, damit irgendwo was passiert. Ständig muss man den Säbel von einem Ort zum anderen weiterschleppen, um dort wiederrum entweder das Tor zum Extra oder das Tor zum Ausgang zu öffnen.



Mehrspielerspaß

Sehr gut ist, dass 4 Spieler gleichzeitig mitmischen können. Teamplay ist möglich, aber nicht zwingend erforderlich. Weiteres Problem: sobald ein Spieler sich an den Rand des Spielfeldes bewegt, teilt sich der Bildschirm nicht wie im vorbildlichen LEGO auf, sondern bleibt so und schnürt so beide Spieler in ein nicht super- aber immer noch enges Korsett.
Schade.
Weiterhin ist die Grafik nicht so prall, aber solide. Das Leveldesign ist okay, kloppt einen aber von einem großen Raum in den nächsten. Storysequenzen gibt es nicht wirklich: jeder Level wird lediglich mit einer total unlustigen Introsequenz eingeleitet - Parallelen zum LEGO-Universum sind zu sehen, aber einfach nur total schlecht nachgeäfft worden.
Never copy a king, Disney!



Sonstiges:
  • von Zeit zu Zeit erscheint im Level entweder ein freundliches oder ein unfreundliches fliegendes Item, das den nächsten Spieler wie eine Zielrakete verfolgt - erreicht es ihn, bekommt er entweder Boni (mehr Schaden, etc) oder wird kurze Zeit verflucht (man ist die Bombe, kann nicht kämpfen, etc.)
  • Flüche kann man an andere Spieler abgeben - Miniherausforderungen in den Levels sowie die Endbewertung ist auf den Erfolg des Einzelnen aus - jeder ist sich selbst der Nächste = Bullshit sowas Kindern beizubringen
  • in den Levels gibt es manchmal Tiere wie beispielsweise einen Esel, den man zum Kämpfen oder Spaß haben nutzen kann
  • Levelausgänge signalisieren einen "Map"-Wechsel innerhalb des Levels - einmal hindurch, nie mehr zurück


Fazit:
Disney Universe ist im Solomodus total langweilig - im Multiplayer kann man zu zweit bis sogar zu viert dem Spiel gerade mal für eine halbe Stunde eine Chance geben. Danach nervt auch hier das langweilige Leveldesign, die unglaublich nichtssagenden hässlichen dummen Hauptdarsteller, die saudoofe Story, die hässlichen Klongegner - nichts erinnert an Disney, außer der jämmerliche Versuch Größen wie die LEGO-Reihe zu kopieren. Wer zu viert spielen will, zockt "Little Big Planet" auf der PS3 - und macht einen gaaaaaaaaaaanz großen Bogen um diesen vermurksten lieblosen Titel.
Hinweis: ich habe das Spiel gerade mal eine halbe Stunde mit meiner Freundin gespielt. Und danach flog's von der Platte...

Freitag, 4. November 2011

Battlefield 3


ACHTUNG: Bewertet wird hier nur der Solomodus!



Boom Boom Boom!

Und damit ist nicht der einstige Hit von den "Vengaboys" gemeint, nein - sondern eher eine kurze Beschreibung zu DICE's Battlefield 3, dem neuesten Streich der sich an großer Beliebtheit erfreuenden erfolgreichen Entwickler. Dass aus diesem Spiel aber kein CoD-Klon geworden ist - zumindest im Detail - verrät folgender Test.

Aber zunächst erst einmal zu DICE's Erfolgsgeschichte: alter Ego-Shooter mit beinhartem Schwierigkeitsgrad - sowas haben die Jungs aus Schweden bereits 1999 mit "Codename: Eagle" vollbracht. Ganz klassisch sogar noch mit Health-Face Marke "DooM" als Indikator für "Wieviel Schmerz kann ich noch ertragen?". Ganz bekannt wurden sie aber durch "Battlefield 1942", was legendäre Ausmaße angenommen hat.
Es folgte "BF 2" (2005), "BF: Bad Company 1 & 2", das kostenlose "Battlefield Heroes" oder sogar "Mirror's Edge". Interessant ist hingegen, dass nicht nur Ego-Sachen, sondern auch das "Midtown Madness 3" entwickelt wurde. Oder man hat lediglich an dem Multiplayermodus von "Medal of Honor" (Reboot von 2010) entwickelt.

Soweit ist klar: DICE kann sich Experimente erlauben. Und warum nichtmal eine durchgescriptete Einzelspielerkampagne neben einem unbestritten genialen und vielschichtigen Multiplayerpart einbauen? Das klingt doch gefährlich nach "Call of Duty", oder?
Wird das also ein Fehlzünder wie MoH vom letzten Jahr?



Übliche Verdächtige in schicker Tracht

Die Story von Battlefield 3 ist mir nicht so ganz klar geworden: SSgt Blackburn, ein US-Amerikanischer Soldat befindet sich in Haft und wird von irgendwelchen Beamten verhört. Dabei geht es um irgendwelche Informationen, die er zu irgendwelchen Atombomben hat. Er erzählt aus vergangenen Erlebnissen und diese spielt man dann nach. Diese Cutscenes sind in schicker Rendergrafik und schon hier wird deutlich: die Grafik wirkt ein wenig "dreckig", als würde man durch eine mit Spuckresten bedeckte Linse schielen.
Jedenfalls ist alles komplett und sehr professionell deutsch vertont - durchgängig.
Die Vergangenheitserlebnisse sind aber nicht nur auf "Blackburn" reduziert, sondern spielt man auch noch weitere Soldaten wie beispielsweise "Miller" oder den russischen "Dima". Wer jetzt wo eigentlich was macht und ist, spielt hier allerdings wenig eine Rolle.
Die Story plätschert nämlich so vor sich hin, obwohl sie einen netten Hintergrund hat. Nur muss es an mir liegen oder so: ich stehe auf 90er-Jahre-Arnold-Schwarzenegger-Action-Movies (obwohl heutzutage der Anspruch schon größer sein sollte), doch sowas reicht aus und will garnicht mehr sein: der Plot ist klar und muss nicht durch 1000 Gespräche verzwickt und unnötig langweilig erzählt werden, sodass - zumindest ich - irgendwann abschalte und die Dinger nur laufen lasse, um nicht doch eine plötzlich auftauchende Action-Sequenz zu verpassen.
Und mit "Miller" und "Peterson", "Heinrich", "Wilfried" und "Günther" brauch mir eh niemand zu kommen: ich will doch nicht 10 Namen lernen und identifizieren können, wenn das Spiel eh nach ca. 7 Stunden aufhört. Schade, dass die Story zum Schluss nochmal richtig aufdreht und packende Erlebnisse bietet.
Quasi beginnt das Spiel mit einer U-Bahn-Mission in der Gegenwart, verliert sich dann über die Zeit in der Vergangenheit und setzt dann wieder zum Schluss in der Gegenwart fort. Auch schade: man spielt den Level zweimal (= überflüssig).

Aber die Grafik weiß zu überzeugen: Frostbite 2 weiß als Engine zu gefallen. Details sind deutlich sichtbar, Texturen wirken weich und wie aus einem Guss, die Waffen sehen schick aus und auch ein Schattenwurf (besonders in einem kleinen Waldabschnitt) sind gelungen. Die Animationen laufen ebenfalls butterweich ab und Blendeffekt der Sonne oder Rauchwolken wirken recht realistisch, obwohl der Blendeffekt durch Autos oder andere Dinge manchmal ein wenig übertrieben wurde. Gerade in der Dunkelheit wirkt das stärker. Aber auch das lässt sich "realistisch reden".






Ablauf


Der CoD-Nerd wird hier alles vorfinden was er eh schon liebt: Quick-Actions (hier leider sehr sehr leicht zu bewältigen), allerlei Script-Explosionen und -Zusammenstürze, Fahrzeugsequenzen (meistens aber nur als "Gunner" - mal im Düsenjet, mal im Panzer - bei Letzterem darf man den auch einmal alleine steuern (wow...)), Teamkampf, so einige Waffen, viel Geballer, Teammember-RIP-Tragik und alle diese Dinge.
Leider fehlt es zu Beginn manchmal an heftigen Dauergefechten und man läuft teilweise hier und da nur einfach hin, erlebt beispielsweise einen Scharfschützenangriff und muss auf sein in Zeitlupe herbeirobbendes Team warten oder fährt mit dem Panzer einfach mal querbeet eine Weile weiter bis der nächste Gegner um die Ecke kommt, stirbt und man wieder nichts zu tun hat. Einige solche - besonders Fahrzeugmissionen - fühlen sich sehr gestreckt an. Bieten allerdings beim Düsenjet auch coole Features: sobald man den Helm aufsetzt, hört man alles nur noch gedämpft - man erlebt den Start vom Flugzeugträger aus und benutzt als Co-Pilot Bedieninstrumente. Solche Sequenzen, die meistens Details darbieten, aber auch hautnahe Quicktime-Prügeleien sind ausführlich und ernst gemeint. Hier spritzt nicht unnötig Blut - lediglich wenn jemand getroffen ist als Signal des Treffers.
Hier wird nicht auf unnötige Brutalität gesetzt oder komplett unrealistische Szenarien. Leitern erklimmt man langsam oder Scharfschützen-Beschützerabschnitte enden auch mal ohne viel geschossen zu haben - das Spiel nimmt sich Zeit und entfaltet ganz besonders durch Bilder, die manchmal wie Artworks (zerstörtes Kaufhaus bei Nacht) wirken und einem satten Sound Atmosphäre vom Feinsten.
Die Anlage aufzudrehen und dann sich ins Gefecht zu stürzen, wenn fette Waffensounds erklingen, die Kugeln um die Ohren zischen oder man sich in den Dreck schmeißt mit seinem vielen klimpernden Sachen am Körper ist schon toll.
Einziges Manko: Schienenlevels mit "ans Händchen-Nehm-Devise". Das HUD verrät ständig: "Guck, süßes Hänschen Klein - da vorn musst du jetzt lang .... eeeeeiii... so ist's richtig!". So richtig alternative Wege sind auch nicht möglich, wenn man gerade in einer Stadt unterwegs ist. Sobald man die Spielzone verlässt, wird alles schwarz-weiß und ein Hinweis leuchtet auf: "Bitte kommen sie innerhalb von 5 Sekunden zurück ins Einsatzgebiet." - toll.
Dafür ist man im fernen Osten - aber in einer Großstadt. Auch auf Dächern. Mal auf einem weitläufigen Acker, wo ein Düsenjet einen entdeckt und mit Angriffsflügen aggressiv hin und her fliegt (und man dabei die richtige Seite der Deckung nutzen muss - intensiv gut gemacht mit schöner Musikuntermalung!), mal ist man in einer modernen Villa, im Jet, im Panzer, im Humvee, in New York... aber meist im Nahen Osten.
Schade eigentlich, wo sich das Thema jetzt auch sehr ausgelutscht anfühlt.






Munitionsweihnachten


Dir geht die Munition aus? Die Knarre ist scheiße?
Gar kein Problem!
Battlefield 3 weiß die zauberhaftesten Antworten: zwar kannst du lediglich 4 Waffen tragen, wobei es 2 Hauptgewehre gibt, aber dafür jede Waffe vom gestorbenen Feind aufnehmen. Diese hat meist schon genügend Schuss, ansonsten gibt es verteilt in den Levels Munitionskisten, die automatisch Munition (unendliche Male) verschenken, sobald du dich nur ihnen näherst. Alternativ gibt's an jedem Checkpoint Neuversorgung.
Unterversorgung? Niemals!
Dafür strebt das Spiel zu sehr danach den Drive nicht zu verlieren: und bis auf die Fahrzeugmissionen tut's das auch nicht. Die Kämpfe sind nämlich flott. Man kann unendlich lang sprinten, gezielt über Kimme und Korn ballern und die nicht als unendliche Armee antretenden Klongegner niedermetzeln. Animationen wie "Ducken" oder "Hinlegen" gehen flüssig ins Geschehen über (wenn man rennt, schmeißt er sich förmlich in den Dreck) und auch Hindernisse mit "Springen" zu überwinden, erfolgt in einer lässigen Schwung-Animation, die man aus "Mirror's Edge" kennt. Auch einige Levels erinnern kurz mal mit giftigem Grün an das tolle Jump'n'Run.







Sonstiges:

  • die Grafik ist spitzenmäßig - bis auf sehr eigenartige dreieckig-förmige Schattenwurfsfehler hier und dort (mal weniger, mal ziemlich heftig) - Grafikeinstellungen rumprobiert, Treiber aktuell - komisch!
  • es gibt 3 Schwierigkeitsgrade
  • Charakter hält nicht sonderlich viel aus, heilt sich bei Ruhe aber wie man's kennt vollautomatisch
  • wer zuviel Kugeln eingesteckt hat, stirbt - es gibt keine Kumpanen, die einen wieder vom Boden kratzen
  • Verhalten der Mitstreiter ist glaubhaft und nicht auf "Heroes & Hard Knocks nonstop" getrimmt
  • Zwischensequenzen im Spiel sind stets aus Ego-Sicht und mit Spielgrafik
  • Leichen verschwinden - manchmal direkt beim Draufgucken
  • Kampagnenumfang: 12 Missionen, insgesamt 7 Stunden Spielzeit (höchstens)
  • Teamkameraden agieren vollkommen selbstständig und gut - auf sie aufpassen muss man nicht und sie sind auch ziemlich treffsicher - ebenso wie die Gegner





Fazit:
Wer sich Battlefield 3 kauft, hat bestimmt schon das "Desaster" mit der Origin-Datensammelwut und den verfassungsfeindlichen Spionageaktionen gehört. Da gibt es ja mittlerweile Abhilfe - aber wer sich BF3 kauft, spielt den genialen Multiplayer.
So eine Kampagne ist lediglich nette Dreingabe - und sie wirkt zwar hier und da wie CoD, ist aber anders - und das auf gute Art und Weise. Nämlich "realistischer". Gerade das macht die Sache wertvoll, weil man den Charakteren Glauben schenkt und das professionelle Spiel mit seinen toll designten Umgebungen, dem fetten Sound, den tollen Animationen, der soliden Action und den tollen "Magic Moments" zu überzeugen weiß. Es ist kein Desaster geworden. Wer einmal spielt, möchte so schnell nicht aufhören - glaubt mir!

Donnerstag, 27. Oktober 2011

ArcaniA - Fall of Setarrif




Gothische Entwicklung?

Hach, da schlägt mein Herz höher - wenn ich nur den Namen "Gothic" höre, denke ich gleich an stundenlanges Suchten bis zum Morgengrauen. Ein Rollenspiel aus deutschen Landen, das nicht vermurkst ist, sondern unglaublich toll war: eine Welt, die auf mich reagiert, wenn ich beispielsweise als Fremder in fremde Wohnungen eintrete und man mich dabei erwischt und beschimpft.
Eine Welt, die an vielen Orten unverwechselbar aussah.
Eine Welt, die Gefahr hinter jeder Ecke lauern - und nur die geübtesten Kämpfer am Leben ließ.
Eine Welt, wo jeder gesprochene Satz vertont war, es viele interessante Questgeber und noch viel mehr zu entdecken abseits der gigantischen lebendigen Tag-und-Nacht-wechselnden Welt mit vielen Fraktionen, denen ich mich anschließen konnte.
2001 war es soweit - das Spiel, das damals mit seiner großen offenen Welt in schicker Grafik zu überzeugen wusste. Gothic I kam raus - und konnte weiterhin mit großer Entscheidungsfreiheit und vielen genannten Punkten punkten.
Ein Jahr später erschien der Nachfolger - und wurde groß gelobt. Die Spielwelt wurde größer, das Kampfsystem minimal verbessert, die Geschichte nun intensiver und mehr auf Drachen fokussiert - die aus Teil 1 bekannte Welt unter der Kuppel nun mit integriert. Klasse - einfach alles nur klasse.
Wieder ein Jahr später erschien 2003 das Addon dazu "Nacht des Raben" und erweiterte die Spielwelt mit nicht nur einem riesigen in mehrere Settings unterteilte neue Welt, sondern auch um eine coole Sidegeschichte und in die Hauptwelt integrierte Aufgaben.
Unverwechselbar.
Doch dann 2006 das Desaster: Gothic III, das beim Release so unendlich verbuggt war, dass es die Fans vor Wut kochen ließ. Personen, die in Felsen verschwinden. Wölfe, die unter der Erde versteckt den Spieler angriffen. Ein Kampfsystem, was starken Gegnern keine Chance ließ, aber 2 Wölfchen zu lebensbedrohenden Monstern mutieren ließ. Eine gigantische Welt, die aber dafür zu gigantisch und nicht mehr so geradlinig und unverwechselbar wie aus dem Vorgänger daher kam.
Aber allem erhaben die lieblose Hauptstory.
Trotzdem war und blieb es vom Herzen her Gothic - die Fraktionen, die vielen sauguten Quests, die tollen Charaktere, die vielen versteckten Orte und und und.
Doch was passierte dann?
2008 erschien das Addon "Götterdämmerung", welches nicht mehr von den üblichen Machern "Piranha Bytes", sondern von 2 anderen nicht namhaften Herstellern fabriziert wurde - und ein Totalausfall war. Die aufgesetzten Entscheidungsoptionen - die wenigen Quests - ja sogar der überaus lieblos inszenierte Endgegner - alles ließ den Spieler fassungslos das Kapitel "Gothic" beinahe abschließen.

Zwischenzeitlich wurde deutlich: PB erschufen derzeit eine neue RPG-Serie mit Namen "Risen", welche auch von vielen als "Gothic 4" betitelt wird - denn genau das bekamen die Spieler dort 2009 geliefert.
Ein sehr schönes Spiel - doch eine Gewitterwolke wurde parallel immer größer: Gothic 4 bzw. unter neuem Titel "ArcaniA" sollte 2010 erscheinen. Von Spellbound entwickelt - den Machern von Taktik-Spielen wie "Desperados" oder "Robin Hood".
Es erschien und... wie viele befürchteten war es kein Gothic mehr, obwohl es hier und da noch Gorn oder Lester mit an Bord (samt den Original-Stimmen) hatte.
Geradlinige Areale, viel zu viele Gegner, viel zu leichter Schwierigkeitsgrad, wenig Sidequests, dumpfe Gespräche, Bürger ohne Einfluss auf Spieler (Diebstahl etc.), langes Umhergelaufe und belanglose Geschichte. Dafür aber: tolles Kampfsystem, schicke Grafik und... ähm, ja das war's auch schon wieder.
Es verkaufte sich scheinbar gut - denn jetzt erschien (wieder von Spellbound) "ArcaniA - Fall of Setarrif", ein Standalone-Addon, was ohne Installation des Hauptspiels daher kommt. Für nur 15 €.



Gäääääääääääähn.

Tja - und leider hat sich seit einem Jahr auch nichts getan. Ein überflüssiges Addon reiht sich zu einem überflüssigen vierten Teil dazu. Ihr seid nämlich immer noch der aus Teil 4 bekannte neue Jungspund und müsst nach Setarrif - einer Stadt, die von einem Unglück heimgesucht wird. Bald stellt sich heraus: jemand hat Scheiße gebaut, einen Superdämon auf die Erde geholt, der jetzt selbige zerstören will. Blöd. Aber ihr kriegt das bestimmt hin.
Nicht lange dauert's und ihr werdet lieblos in die "weite" Welt geschmissen. Weitläufig wirkt sie schon, ist aber quasi nur ein größerer übersichtlicher Levelschlauch - wohin es geht, sieht man nicht, aber man fühlt die richtige Richtung.
Wer jetzt vor Spielbeginn sich für Schwierigkeitsgrad "Normal" (einer von Vier) entschieden hat, hat nicht nur jetzt - sondern das gesamte Addon über leichtes Spiel: Gegner stellen kaum eine Herausforderung dar, Heiltränke braucht ihr nur ganz selten.
Ansonsten könnt ihr vorm Start auswählen, ob ihr euren Helden aus "ArcaniA" übernehmt oder einen neuen wählt - bei Letzterem fällt noch schnell die Wahl auf eine der 3 verfügbaren Klassen (Magier, Nah- oder Fernkämpfer) und dann geht's mit nem hohen Level direkt los.
Die leere Welt bietet außer hier und da mal ein Monstergrüppchen wenig - außer einem Hirten, der die im Addon gefühlt einzige Nebenquest gibt: "Tötet 12 Wölfe!" - vermutlich habt ihr das bereits getan, also gibt's direkt die Belohnung und gut ist.
Anschließend läuft man weiter - immer weiter und weiter, landet in sekundären verwinkelten Dungeons, die nur Monster und Kisten bergen.
Kisten mit allerlei Krimskrams, der euch sowieso nicht interessiert und ihr ihn auch nicht benötigt.
Von 20000000 Items, interessierten mich nur: Waffen, Rüstungen und Heiltränke - der Rest war völlig irrelevant. Also haut ihr euch fein die Hucke voll und stratzt weiter, bekämpft bekannte Feinde wie Feuerwarane, Skelette oder wie Wookies klingende Lurker und langweilt euch. Alles ist so einfach - nichts macht die Sache spannend. Viel zu viel Leerlauf.
Irgendwann werdet ihr auch nach Setarrif gebeamt - aber leider in einen dicken Dungeon, der ziemlich verwinkelt ist und erstmal 20 Minuten nur Skelette hinter jeder Ecke bietet.
Im Grunde geht das immer so weiter - eine größere Gegnergruppe kommt, ihr haut sie zu Brei und weiter geht's.
Hier und da wehren Gegner mal ab, aber keine Sorge: einfach weiterdreschen! Meist hören sie nach kurzer Zeit mit dem Block auf und SCHWUPPS - sind sie tot.
Lustig: die Hau-drauf-Taktik funktioniert immer. Auch bei "Endbossen".
Witzig außerdem: sobald Magier eine Shoot-Position einnehmen, schießen sie auch genau dorthin. Wer den mehrere Sekunden vorbereitenden Angriff mühelos ausweicht, kann gemütlich dem hilflosen Knochengerippe die Zähnchen aus der Verankerung kloppen.
Danach wird sein Zeug aufgehoben und ins unendlich große Inventar gesteckt. Denn: langsamer werdet ihr nicht und es gibt kein Itemlimit. Aber das kennt man ja aus Gothic.



Irgendwann...

...seid ihr dann auch in der "Stadt", also ... *räusper* """Stadt""" angelangt. Die wirkt eher wie eine aus Schützengräben bestehende Totalruine und bietet: wer hätte das gedacht? Richtig! Haufenweise Gegner! Aber auch Zivilisation: sowas wie Gorn, Milten oder Lester. Toll, dass sie auch noch ihre Originalsprecher haben - aber außerdem nicht viel Essenz. Die meisten Dialoge, die man mit NPCs führt, sind die, die man eh führen muss und zweitens gibt es meist nur 1 Option. Spezielle Dinge wie "Lügen" oder irgendwas, was die vorherigen Teile ausmachte (Spezialfähigkeiten im Dialog einsetzen) gibt's hier nicht.
Hier und da stehen mal auffällig platzierte allein stehende Händler, die natürlich gerade am Ende eines Dungeons auf mich voll mit Schätzen gepackten Esel warten.
Mein Tipp: alles aufsammeln, verscheuern, von dem Geld ca. 30 Heiltränke kaufen und für den Rest des Spiels erfreuen!
In 2 Missionen spielt ihr dann mal Gorn oder Lester für 5 Minuten (in einer Art Erinnerung), aber das ist auch das einzige Highlight, was das Spiel zu bieten hat.
Nach ewiger Schnetzelei folgt noch ein wie Kaugummi sich ziehender Weg hinab in den Vulkan über einen Spießrutenlauf zum Endkampf. Der Boss ist garnicht der Rede wert und würde er sich nicht so oft in Sicherheit beamen, würde der auch nur höchstens 2 Minuten dauern.

Erschreckend aber ist die Tatsache, dass nach ca. 3 Stunden Schluss ist. Oh ja - richtig gelesen: Null Wiederspielwert und 3 Stunden für 15 €? Never ever!




Sonstiges:
  • die Schattendarstellung spinnt und zuckt gewaltig (während des Anfangsdialoges bemerkbar)
  • die Welt ist leider immer noch seelisch tot
  • ihr heilt euch peu a peu von selbst - was meist ausreicht
  • Gegenständen lassen sich unheimlich fix - genauso wie Truhen oder erlegte Feinde aufnehmen / ausräumen
  • Unterhaltungsfenster schrecken durch hässlich einfache Dialogboxen ab - Schriftart ist unglaublich Standard
  • das Kampfsystem geht flott von der Hand - einfach nur Buttonmashen ist angesagt: auf Wunsch kann abgewehrt oder eine Ausfallrolle vollführt werden - ist der Abstand mal ein klein wenig größer als sonst, huscht euer Charakter leicht japanomäßig fix nah an den Feind heran
  • da ihr schon eine hohe Stufe besitzt, fällt das Aufleveln umso schwerer - Monster geben unnatürlich viel EXPs - und eine "Tote 12 Wölfe"-Aufgabe verleiht 9000 EXPs - eigenartiges Verhältnis zu Zahlen
  • Vegetation verschwindet, sobald ihr in sie hineinlauft - und sorgt somit für Übersicht
  • Tränke werden wie bei Diablo direkt im Kampf durch Schnelltaste eingenommen und erfordern keine Extra-Animation (Trinken) wie sonst bei Gothic
  • habt ihr wenig Health, verändert sich der Bildschirm und bekommt einen roten Überzug (= bekannt) - dies ist anders als sonst in Gothic und erleichtert das Überleben 
  • wenn ihr kämpft, zoomt die Kamera zwecks Übersicht weiter nach außen
  • in Gebäuden oder während ihr das Schwert gezogen habt, rennt ihr langsamer
  • aufgrund der zahlreichen und teils überflüssigen Gegenstände habt ihr wenig Alchemie- oder Schmiedeplätze zur Verfügung
  • es gibt (zu)viele (Klon-)Gegner


Fazit:
Spellbound? Also kommt - für 15 € nur einmalige und dazu noch langweilige 3 Stunden zu liefern als Addon für ein Spiel, das niemand gebraucht hat? Das grenzt fast schon an Selbstüberschätzung. Traurig, aber wahr: Risen 2 ist jetzt am Kommen und sämtliche Züge für "ArcaniA" sind abgefahren.