Rayman goes Origins, too...
Ob "Dragon Age", "X-Men" oder auch diverse Comics: die "Herkünfte" sind immer ein beliebtes Mittel, um die "Wurzeln" näher zu betrachten. Rayman's liegen seeeeeeeeeeehr weit zurück: 1995 veröffentlichte Ubisoft (damals noch "Ubi Soft") ein liebevoll gezeichnetes Jump'n'Run mit titelgebender Hauptfigur, die keine Gliedmaßen besitzt, dafür aber Hände, Kopf und Füße - und konnte alles (bis auf den Kopf) den Gegnern in Form eines Angriffs entgegen schleudern. 1999 erschien dann aufgrund der hohen Popularität ein zweiter Teil - außerordentlich gelungen und in 3D - mit einer tollen Story und vielen neuen Charakteren.
4 Jahre später kam dann noch der dritte Teil, der irgendwie sehr alternativ und anders als sein Vorgänger daher kam, obwohl das Spielprinzip quasi gleich war.
Aber leider war dann aus - und Rayman M (Renn-Party-Spiel) oder das hoffnungslos verfluchte "Garnix-mehr-mit-Rayman-zu-tun-habende" Raving Rabbids (reines Partyspiel, Rayman wurde zum Nebendarsteller degradiert, bekloppte Hasen verkauften sich gut - man machte eben Kohle) distanzierten sich vom ehemaligen tollen Charakter.
Jetzt haben die Franzosen (Ubisoft Montpellier) es geschnallt und sich endlich der Vernunft ergeben und wieder ein klassisches, vor allem unheimlich detailliert und zauberhaft gezeichnetes Comic-Jump'n'Run in schicker HD-Grafik entwickelt. Wieder wie am Anfang komplett in 2D.
Da brauch' man sich nicht die Frage stellen, ob das funktioniert - es TUT ES!
Not designed for kids
Anders wie vielleicht zu erwarten, ist "Rayman Origins" absolut nicht für Kinder geeignet, es sei denn sie möchten die erste halbe Stunde der knapp 10 Stunden andauernden umfangreichen, aber auch recht fordernden (bis oftmals zur Unmöglichkeit schwierigen) Kampagne im Endless Loop spielen. Denn anfangs ist vieles noch einfach - ihr steuert Rayman ganz klassisch von links nach rechts (so verläuft jeder Level). Jeder Level ist in mehrere Abschnitte unterteilt, ein abgeschlossener schaltet den nächsten auf einer Übersichtskarte frei, die in verschiedene sowohl thematisch, als auch spielerisch unterschiedliche Welten unterteilt sind. Das erinnert ein wenig an Super Mario Land und enthält in jedem Level nicht nur Lums, die als Punkte am Ende zusammengezählt werden (und wiederrum Lila Sammellums freischalten), sondern auch weitere Extras wie beispielsweise Käfige (mit Lums drin), Punktemultiplikator oder Münzen (, die im Prinzip nur mehr Punkte bringen, aber schwer erreichbar sind). Da oftmals auf Zeitdruck eingesammelt werden muss, eine Rückkehr in alte Levelsysteme manchmal nicht mehr möglich ist oder man einfach für's Erste genug von dem Adrenalin hat, lohnt es sich mehrmals zu spielen - gerade, um eine alternative Welt, einen alternativen Endboss und ein alternatives "Ende" freizuschalten.
Aber nochmal zurück: Rayman kann springen, später schwimmen, auf einem Moskito fliegen (Spiel wird dann zum Sidescrolling-Shooter), zuschlagen, Wände entlanglaufen (später), kleiner werden, gleiten, sprinten und sich ducken. Problem aber ist, dass er für gewöhnlich nur einen Schlag aushält, sodass man OFT, nein SEHR SEHR OFT Bildschirmtode stirbt, was aber nicht durch die Steuerung (die ist nämlich hervorragend präzise), sondern den vielen Überraschungen und der Schnelligkeit zustande kommt. Oft erscheinen rasiermesserscharfe Spitzen aus dem scheinbar sicheren Boden, zielsuchende Raketen im Dutzend kommen auf euch zu oder nur klitzekleine, bald verschwindende Plattformen trennen euch vom Sturz ins Nichts.
Aber keine Panik: diese radikal gefährlichen Zustände erfahrt ihr erst gegen Ende des Spiels. Doch auch zwischendurch denkt man sich am Ende des Levels: "Oh Gott... ein Glück hab ich das hinter mir.".
Wer masochistisch oder Trophäen-jägerisch veranlagt ist, geht die Levels erneut an, perfektioniert die Punktejagd oder knackt die Zeitrennen (ähnelt Speedruns, bei denen die Zeitlimits sauknapp bemessen sind). Denn Punkte kriegt ihr oftmals nicht alle: zum einen sind die Goldmünzen saugut versteckt, andererseits halten die vielfältigen Gegner zwar nur ein Schlag aus, zerplatzen aber als Luftblase danach irgendwann selbst und somit ist pro Feind ein Lum dahingeschieden - oder der Punktemultiplikator wurde nicht voll ausgekostet, sodass ihr nicht schnell genug aus den vorhandenen Lums mehr Punkte gemacht habt. Nur ein Neustart hilft da weiter - aber meist reicht's vom letzten Kontrollpunkt. Wer nämlich einen Raum innerhalb des Levels besteht, ist erstmal sicher.
Außerdem gibt es noch Levels mit sogenannten Schatztruhen, die vor euch weglaufen. Sie enthalten einen roten Diamantenzahn, den ein zahnloser Opa im Rayman-Dorf vermisst. Hat man alle 10, schaltet man besagte geheime Welt mit geheimen Boss frei. Diese Schatztruhen jagt man in jeweils einem ganz spezifischen Level. Dieser ist eine Art Speedrun vom Feinsten - wer scheitert, fängt die minutenlange Hatz stets von vorn an. Gleich beim ersten Mal schaffen? Niemals! Erst nachdem man ca. 50x gestorben ist und die Strecke auswendig gelernt hat. Typisch "Trial & Error" - und genau das ist es, was Rayman Origins ausmacht: fies sein, aber dafür lernen lassen. Allein Spielern bei den Schatzjagden zuzusehen, tut weh, spielt sich aber - wenn man's weiß - recht akzeptabel. Trotzdem sind einige unzumutbar und nur mit Glück zu schaffen. Denn: jeder Sprung muss genau getimed sein: in richtiger Intensität und im richtigen Moment. Dauerrennen ist hier angesagt - Bremsen gibt's nicht.
Am geheimen Level verzweifelte ich aber und ließ es bis jetzt erstmal gut sein...
Endbosse warten auf euch genauso wie der motivierende COOP-Spielmodus, bei dem lokal bis zu vier Leute gleichzeitig in die Haut von Rayman, Globox oder seltsamen, leider viel zu oft vorhandenen doofen Viechern gesteuert werden können (verschiedene Skins).
Das ist geil und macht das Spiel entscheidend leichter, weil 4 Leben vorhanden sind - und falls einer stirbt, endet er wie alles und jeder als Blase - und kann von Mitspielern bei Berührung wieder ins Leben zurückgeholt werden. Die Blase steuert man als Gebeutelter selbst - natürlich sehr schwammig - wir wollen ja nicht, dass hier irgendwas noch zu leicht ist.
Die Story ist aber allerdings nicht vorhanden. Rayman's Idylle wird von fiesen Darktoons bedroht - ein Intro gibt's, danach nur das Outro. Der Humor ist aber ausgezeichnet - auch wenn nie erklärt wird, warum Feen monsterlange Haare, dazu 90-60-90 und Titten wie Monde von Planeten haben. Das ist ein wenig seltsam - obwohl der Humor der Franzosen ganz nett ist.
Fazit:
Das Spiel lohnt sich für alle Jump'n'Run-Fans und Freunde des Couch-COOP-Modus' auf jeden Fall! Nur eins müsst ihr mitbringen: seeeeeeeeeeeeeeeeeeehr viel Geduld und Frustresistenz. Sonst werdet ihr und das Spiel keine Freunde.
Ich fand's schon krass, dass einige Magazine lediglich erwähnten, dass es zum Ende hin unfair wird. Wo wurde das unschaffbare Geheimlevel oder die Schatztruhen erwähnt? Oder allgemein die Härte im Gegensatz zum quietschbunten Äußeren?
Das Ding ist knüppelhart, Jungs... glaubt mir einfach.



