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Mittwoch, 9. November 2011

Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn




Tim und Struppi

Da sind sie wieder - nach jahrelangem Ausbleiben von irgendeiner Spieleumsetzung gibt es nun zum aktuellen Kinostart von Steven Spielberg Gelegenheit mit "Das Geheimnis der Einhorn" ein Abenteuer für Groß und Klein anzubieten. Und dabei gleich noch für viele Plattformen, darunter PC , PS3 und Xbox360. Ob Hergé, der verstorbene französische Erfinder der Abenteuerreihe sich im Grabe umdrehen würde bei einer Film-zu-Spiel-Umsetzung, oder sie von Ubisoft Montpellier national recht gut interaktiv-iert wurde, erklär' ich euch in den folgenden Zeilen.



Erst das, dann das, mal das wieder & jetzt hier, dann dort & da...

Was die ersten Minuten einer Singleplayerkampagne hier ausmacht, ist wahre Kunst und darf sich stolz von anderen typischen schnellen Geldmachern in der Spiel-zu-Film-Umsetzungsbranche abheben. Denn Ubisoft weiß mit abwechslungsreichen und flüssig ineinander übergehenden Spielelementen umzugehen. Die Ingamevideosequenzen laufen in vorgerenderter Spielegrafik ab, das viel hübschere in farbprächtige Kulissen getauchte Spiel löst sie fließend ab und schickt den Spieler durch einen wilden Strudel mehrerer Spielelemente. Gesteuert wird dabei entweder Tim, Struppi, der Seemann, ein Flugzeug, ein Motorrad oder andere Dinge - das Spiel lässt euch aber keine Wahl wen ihr jetzt steuert, sondern schickt euch passend zu Situationen mit dem jeweiligen Charakter durch die Gegend bzw. steuert der PC selbst den COOP-Beimann.
Die Kameraperspektive ist dabei stets fest montiert, schwenkt aber rechtzeitig und aufregend zur Seite - keine Bange: einen schlechten Winkel zeigen kann sie nicht. Dafür sind nämlich die Areale zu schlauchartig und abgeschnitten - das tut dem Jump'n'Run-Mix aber keinen Abbruch.
Mal steuert ihr den Charakter dreidimensional (Flugzeug fliegen, Motorrad fahren, durch Gassen laufen) - doch im nächsten Raum ist alles wieder zweidimensional - also die Sicht. Die Grafik bleibt dabei stets im 3D-Gewand. In den 2D-Passagen gilt es dann meist kleinere Schalter zu finden, Doppelsprünge zwischen Wänden oder wackeligen Plattformen auszuführen und so an schwierige Stellen zu kommen.
Dann gibt's wieder den Stealth-Part, der euch los schickt, um einen Raum von fiesen Feinden zu befreien - ohne sie zu Besiegen kommt ihr meist nicht weiter. One-Hit-Kills von hinten sind dabei empfehlenswert, allerdings helfen auch ein paar Schläge. Oder Bananen, andere werfbare Gegenstände, eine Schlucht, ein rutschiger Boden - je nach Gegnerart (fliehender Dieb, dicker Schrotflintenträger, Ritter in dicker Metallrüstung) ist dabei eine andere Vorgehensweise gefragt. Diese Elemente sind jedoch wie das gesamte Spiel mit seinen ständigen Hilfen und Wiederholungen kinderleicht zu bewältigen.
Trotzdem ist die Unterhaltung auf hohem Niveau. Animationen laufen butterweich ab, Story bleibt in Fahrt, Humor ist dort, Comicgrafik extrem der Vorlage authentisch und die Sprecher professionell und passend in deutscher Sprachausgabe.



Elements

Nach diesen Einlagen taucht man manchmal unter Wasser bestimmte Parts, schnuppert als Struppi Spuren nach, buddelt und bellt sich durch Erdböden und kleinere Nagetiergegner... oder schwinkt an Seiten eines Schiffes den Enterhaken. Auch kleinere Rätselparts sind enthalten - welche sich aber auf ein Minimum beschränken. Der Spielfluss ist hoch. Aber schwer ist es kaum - 3 Lebenskugeln habt ihr. Health-Paks gibt es verstreut, automatisch heilt ihr euch nicht. Auch ein Inventar zur Aufbewahrung der Heilung gibt es nicht - auch meist nicht nötig. Das Spiel speichert selbst und bei einem "Ableben" startet ihr meist in der Nähe neu. Die gesammelten einfach zu findenden Collectables (zum Freischalten von Artworks & Co.) behaltet ihr.
Apropros "Ableben": sowohl die Gegner als auch ihr sterbt nicht. Kein Blut fließt - alles kinderfreundlich. Sobald ihr nämlich z.B. von einer Schrotflintenkugel erledigt wurdet, tanzt Tim auf einem Bein und reibt sich den Popo. Ansonsten tanzen Sterne über seinem Kopf - genauso wie bei den Widersachern, die nach einem Schlagabtausch stilvoll verrenkt auf dem Boden lungern.
Leider ist die Story recht kurz und weiß schonmal Levelgrunddesign zu wiederholen - aber genau wie die sich wiederholenden Aufgaben kitzelt es nur am Nervenausbruch und wechselt gekonnt vorher mit etwas Neuem ab.

Leider nicht der ...



COOP-Mode

Neben der reinen Kampagne für Solisten gibt es noch eine alternative Kampagne für COOP-Freunde. Lokal kann jederzeit ein Freund ein- und aussteigen. Die erzählt eine nach der Hauptstory angeknüpfte Story, welche aber lediglich daraus besteht, dass der Kapitän ein paar auf die Mütze kriegt und fortan verwirrt in seinen Phantasiewelten schwebt. Da seid ihr nun "gefangen" und spielt in 3 thematisch der Solokampagne nachempfundenen, aber sehr unrealistisch, dafür aber herausfordernderen Levels zusammen. Dort läuft alles ein wenig anders ab: es gibt mehr Abgründe, Wecker sind Portale in neue Abschnitte, es gibt Coins zum Einsammeln und diverse Sonderfähigkeiten einzusetzen. Dabei kann man nie alles gleich finden, sondern muss mit später freigeschalteten Charakteren alte Sachen erreichen - genauso wie bei LEGO-Spielen. So spielt ihr die dicke Sängerin oder die zwei Polizisten "Schulzes". Mit dem Geld lassen sich zusätzliche jederzeit wechselbare Kostüme freischalten.
Das alles ist zwar ganz nett, aber die Bonusstory ist quasi keine und dient nur als Platzhalter: ihr sollt einfach spielen. Leider fasziniert dieses Gerüst nicht so sehr wie im Solomodus, sondern ermüdet arg - auch weil sich ein Level wie der andere spielt, obwohl Ideen da sind. Ganz einfach, weil die Stages aus einem Levelbaukasten zusammengeklebt wurden und man das überall spürt. Außerdem kann man nie sterben - wenn jemand stirbt, kann er sofort beim Kumpel wieder einsteigen. Sterben beide gleichzeitig, geht's vom letzten Checkpoint wieder los. Endbosse werden genauso bekämpft wie in der Solokampagne - immer haargenauso wie die Etappen davor. Wiederholung an Wiederholung.



Sonstiges:
  • COOP-Modus ist lokal vor dem PC an einer Tastatur, aber auch mit Gamepad möglich
  • man lernt immer mal wieder kleinere Fähigkeiten dazu (Taschenlampe benutzen, mit Objekten werfen)
  • es gibt in den 2D-Jump'n'Run-Parts auch Stellen, an denen ihr auf Knopfdruck eine Ebene höher / tiefer gelangt
  • Singleplayerstory ist arg kurz und schon nach ca. 5 Stunden zu Ende



Fazit:
Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn ist eine gelungene Filmumsetzung - wider Erwarten bei diesem Thema. Die Liebe zu der Comicvorlage ist jederzeit spürbar - der Jump'n'Run Ableger braucht keine tolle Grafikengine um hübsch zu sein, hat gute Sprecher, eine nette Story, netten Humor, einen wilden abwechselnden Gameplaycocktail, aber auch ein sich langsam einstellender Langeweile, kurzer Spieldauer, im Vergleich mit der reinen SOLO-Kampagne nicht so tollen COOP-Campaign & chronischer Unterforderung zu kämpfen. Einmal an einem Wochenendsnachmittag durchspielen und wieder zurücklegen - es gibt viel Besseres, aber auch viel Schlechteres. Schaut ruhig rein - aber vorerst mittels eines Videothekleih's.

Dienstag, 8. November 2011

Disney Universe




Disney's großer Ideenklau

Ein neues Spiel von den Disney Interactive Studios - das klingt doch soweit ganz nett. Zumindest wenn es um Spielefreunde geht, die entweder nichts gegen kindliche Unterhaltung haben oder Kinder eben selbst.
Und letztere sind hier dann leider doch die eindeutige Zielgruppe. Nur leider haben sie dabei dreist geklaut... also "geklaut". Und zwar von den üblichen LEGO Games wie beispielsweise LEGO Star Wars, Indiana Jones, Batman, Harry Potter usw.. "Geklaut", weil sie ja vorher Publisher waren und "Travellers Tales" die eigentlichen Entwickler.
Das übliche Spielprinzip mit einer allgemein seitlichen und festen Kamera, das genug Raum zur Entfaltung für 2 Spieler in bunten Levels mit dutzenden Sammelgegenständen und Miniaufgaben / -spielchen lässt wurde dabei dreist übernommen.
Dreist, weil: ... es eben zu LEGO gehört.



Hässliche Nichtssager

Die Hauptdarsteller sind dabei irgendwelche nichtssagenden komischen bunten Figuren, die selbst in Kostümen stecken, die bestimmten Figuren von berühmten Disneyfilmen nachempfunden sind: Pumba aus König der Löwen, der Hauptdarsteller von TRON, die Grinsekatze aus Alice im Wunderland usw.. Nur leider sind das ganz offensichtliche Kostüme wie man sie auf dem Gamecover oben auch sieht: die hässlichen No-Name-Akteure sind also trotzdem noch zu sehen. Und ihre widerlich gemeinen ... Entschuldigung *räusper* ... FRESSEN. Denn im Spiel selbst ist das Motto nämlich: "Jeder ist sich selbst der Nächste!" und so kann man entweder als fluch-verwandelte Bombe sich selbst auf seine Kosten sprengen oder die Bombe an jemand anderen abgeben - und dieser verliert dann ein Teil seiner gesammelten Punkte. So ist auch Friendly Fire aktiviert und man kann noch nichtmal gemeinsam sich gegen die Gegner erwehren, die auf einen anstürmen, sondern kloppt sich selbst ständig zu Brei. Gut, dass man unendlich Leben hat und nur beim Tod immer Points verliert, die genauso wie bei LEGO die Währung darstellen um gefundene Kostüme oder neue Themenwelten freizuschalten.

Aber nochmal zurück zur Story: die dreht sich im Allgemeinen darum, dass irgendwelche Disneykulissen (ähnlich wie im Filmpark Babelsberg) mit hilfreichen Butlerrobotern bestückt wurden, um den Besuchern mehr Freude zu schaffen und allgemein für Sicherheit zu sorgen. Ein Virus kam und hat nun alles verseucht. Nun herrscht Stunk und Chaos - und ihr müsst dort aufräumen. Pro Welt (König der Löwen, Fluch der Karibik, Alice, usw.) gibt es 3 Level, die versuchen charakteristische Szenen nachzustellen. Nur leider klappt das so gut wie garnicht: alles ist irgendwie zusammenklamüsert und mit netten Miniaufgaben gefüllt (mal schießt man mit Kanonenkugeln, setzt Gegenstände ein oder zieht Figuren auf Plattformen, löst Zusatzherausforderungen oder lockt die immergleichen Klonroboterviecher in irgendeine Falle.
Dabei gibt es stets kleine oder große Disneywährungen aufzusammeln. Manchmal auch Collectable Items oder andere Dinge - manchmal liegen sie so rum, verstecken sich in zerschlagbaren Objekten oder Gegner lassen sie beim Ableben fallen. Dabei fallen die Aufgaben aber auch gern wiederholend aus und bieten ein durchschaubares und immer gleiches Prinzip: beispielsweise das "Schwert" in "Fluch der Karibik" in irgendeinen Sockel stecken, damit irgendwo was passiert. Ständig muss man den Säbel von einem Ort zum anderen weiterschleppen, um dort wiederrum entweder das Tor zum Extra oder das Tor zum Ausgang zu öffnen.



Mehrspielerspaß

Sehr gut ist, dass 4 Spieler gleichzeitig mitmischen können. Teamplay ist möglich, aber nicht zwingend erforderlich. Weiteres Problem: sobald ein Spieler sich an den Rand des Spielfeldes bewegt, teilt sich der Bildschirm nicht wie im vorbildlichen LEGO auf, sondern bleibt so und schnürt so beide Spieler in ein nicht super- aber immer noch enges Korsett.
Schade.
Weiterhin ist die Grafik nicht so prall, aber solide. Das Leveldesign ist okay, kloppt einen aber von einem großen Raum in den nächsten. Storysequenzen gibt es nicht wirklich: jeder Level wird lediglich mit einer total unlustigen Introsequenz eingeleitet - Parallelen zum LEGO-Universum sind zu sehen, aber einfach nur total schlecht nachgeäfft worden.
Never copy a king, Disney!



Sonstiges:
  • von Zeit zu Zeit erscheint im Level entweder ein freundliches oder ein unfreundliches fliegendes Item, das den nächsten Spieler wie eine Zielrakete verfolgt - erreicht es ihn, bekommt er entweder Boni (mehr Schaden, etc) oder wird kurze Zeit verflucht (man ist die Bombe, kann nicht kämpfen, etc.)
  • Flüche kann man an andere Spieler abgeben - Miniherausforderungen in den Levels sowie die Endbewertung ist auf den Erfolg des Einzelnen aus - jeder ist sich selbst der Nächste = Bullshit sowas Kindern beizubringen
  • in den Levels gibt es manchmal Tiere wie beispielsweise einen Esel, den man zum Kämpfen oder Spaß haben nutzen kann
  • Levelausgänge signalisieren einen "Map"-Wechsel innerhalb des Levels - einmal hindurch, nie mehr zurück


Fazit:
Disney Universe ist im Solomodus total langweilig - im Multiplayer kann man zu zweit bis sogar zu viert dem Spiel gerade mal für eine halbe Stunde eine Chance geben. Danach nervt auch hier das langweilige Leveldesign, die unglaublich nichtssagenden hässlichen dummen Hauptdarsteller, die saudoofe Story, die hässlichen Klongegner - nichts erinnert an Disney, außer der jämmerliche Versuch Größen wie die LEGO-Reihe zu kopieren. Wer zu viert spielen will, zockt "Little Big Planet" auf der PS3 - und macht einen gaaaaaaaaaaanz großen Bogen um diesen vermurksten lieblosen Titel.
Hinweis: ich habe das Spiel gerade mal eine halbe Stunde mit meiner Freundin gespielt. Und danach flog's von der Platte...

Freitag, 4. November 2011

Battlefield 3


ACHTUNG: Bewertet wird hier nur der Solomodus!



Boom Boom Boom!

Und damit ist nicht der einstige Hit von den "Vengaboys" gemeint, nein - sondern eher eine kurze Beschreibung zu DICE's Battlefield 3, dem neuesten Streich der sich an großer Beliebtheit erfreuenden erfolgreichen Entwickler. Dass aus diesem Spiel aber kein CoD-Klon geworden ist - zumindest im Detail - verrät folgender Test.

Aber zunächst erst einmal zu DICE's Erfolgsgeschichte: alter Ego-Shooter mit beinhartem Schwierigkeitsgrad - sowas haben die Jungs aus Schweden bereits 1999 mit "Codename: Eagle" vollbracht. Ganz klassisch sogar noch mit Health-Face Marke "DooM" als Indikator für "Wieviel Schmerz kann ich noch ertragen?". Ganz bekannt wurden sie aber durch "Battlefield 1942", was legendäre Ausmaße angenommen hat.
Es folgte "BF 2" (2005), "BF: Bad Company 1 & 2", das kostenlose "Battlefield Heroes" oder sogar "Mirror's Edge". Interessant ist hingegen, dass nicht nur Ego-Sachen, sondern auch das "Midtown Madness 3" entwickelt wurde. Oder man hat lediglich an dem Multiplayermodus von "Medal of Honor" (Reboot von 2010) entwickelt.

Soweit ist klar: DICE kann sich Experimente erlauben. Und warum nichtmal eine durchgescriptete Einzelspielerkampagne neben einem unbestritten genialen und vielschichtigen Multiplayerpart einbauen? Das klingt doch gefährlich nach "Call of Duty", oder?
Wird das also ein Fehlzünder wie MoH vom letzten Jahr?



Übliche Verdächtige in schicker Tracht

Die Story von Battlefield 3 ist mir nicht so ganz klar geworden: SSgt Blackburn, ein US-Amerikanischer Soldat befindet sich in Haft und wird von irgendwelchen Beamten verhört. Dabei geht es um irgendwelche Informationen, die er zu irgendwelchen Atombomben hat. Er erzählt aus vergangenen Erlebnissen und diese spielt man dann nach. Diese Cutscenes sind in schicker Rendergrafik und schon hier wird deutlich: die Grafik wirkt ein wenig "dreckig", als würde man durch eine mit Spuckresten bedeckte Linse schielen.
Jedenfalls ist alles komplett und sehr professionell deutsch vertont - durchgängig.
Die Vergangenheitserlebnisse sind aber nicht nur auf "Blackburn" reduziert, sondern spielt man auch noch weitere Soldaten wie beispielsweise "Miller" oder den russischen "Dima". Wer jetzt wo eigentlich was macht und ist, spielt hier allerdings wenig eine Rolle.
Die Story plätschert nämlich so vor sich hin, obwohl sie einen netten Hintergrund hat. Nur muss es an mir liegen oder so: ich stehe auf 90er-Jahre-Arnold-Schwarzenegger-Action-Movies (obwohl heutzutage der Anspruch schon größer sein sollte), doch sowas reicht aus und will garnicht mehr sein: der Plot ist klar und muss nicht durch 1000 Gespräche verzwickt und unnötig langweilig erzählt werden, sodass - zumindest ich - irgendwann abschalte und die Dinger nur laufen lasse, um nicht doch eine plötzlich auftauchende Action-Sequenz zu verpassen.
Und mit "Miller" und "Peterson", "Heinrich", "Wilfried" und "Günther" brauch mir eh niemand zu kommen: ich will doch nicht 10 Namen lernen und identifizieren können, wenn das Spiel eh nach ca. 7 Stunden aufhört. Schade, dass die Story zum Schluss nochmal richtig aufdreht und packende Erlebnisse bietet.
Quasi beginnt das Spiel mit einer U-Bahn-Mission in der Gegenwart, verliert sich dann über die Zeit in der Vergangenheit und setzt dann wieder zum Schluss in der Gegenwart fort. Auch schade: man spielt den Level zweimal (= überflüssig).

Aber die Grafik weiß zu überzeugen: Frostbite 2 weiß als Engine zu gefallen. Details sind deutlich sichtbar, Texturen wirken weich und wie aus einem Guss, die Waffen sehen schick aus und auch ein Schattenwurf (besonders in einem kleinen Waldabschnitt) sind gelungen. Die Animationen laufen ebenfalls butterweich ab und Blendeffekt der Sonne oder Rauchwolken wirken recht realistisch, obwohl der Blendeffekt durch Autos oder andere Dinge manchmal ein wenig übertrieben wurde. Gerade in der Dunkelheit wirkt das stärker. Aber auch das lässt sich "realistisch reden".






Ablauf


Der CoD-Nerd wird hier alles vorfinden was er eh schon liebt: Quick-Actions (hier leider sehr sehr leicht zu bewältigen), allerlei Script-Explosionen und -Zusammenstürze, Fahrzeugsequenzen (meistens aber nur als "Gunner" - mal im Düsenjet, mal im Panzer - bei Letzterem darf man den auch einmal alleine steuern (wow...)), Teamkampf, so einige Waffen, viel Geballer, Teammember-RIP-Tragik und alle diese Dinge.
Leider fehlt es zu Beginn manchmal an heftigen Dauergefechten und man läuft teilweise hier und da nur einfach hin, erlebt beispielsweise einen Scharfschützenangriff und muss auf sein in Zeitlupe herbeirobbendes Team warten oder fährt mit dem Panzer einfach mal querbeet eine Weile weiter bis der nächste Gegner um die Ecke kommt, stirbt und man wieder nichts zu tun hat. Einige solche - besonders Fahrzeugmissionen - fühlen sich sehr gestreckt an. Bieten allerdings beim Düsenjet auch coole Features: sobald man den Helm aufsetzt, hört man alles nur noch gedämpft - man erlebt den Start vom Flugzeugträger aus und benutzt als Co-Pilot Bedieninstrumente. Solche Sequenzen, die meistens Details darbieten, aber auch hautnahe Quicktime-Prügeleien sind ausführlich und ernst gemeint. Hier spritzt nicht unnötig Blut - lediglich wenn jemand getroffen ist als Signal des Treffers.
Hier wird nicht auf unnötige Brutalität gesetzt oder komplett unrealistische Szenarien. Leitern erklimmt man langsam oder Scharfschützen-Beschützerabschnitte enden auch mal ohne viel geschossen zu haben - das Spiel nimmt sich Zeit und entfaltet ganz besonders durch Bilder, die manchmal wie Artworks (zerstörtes Kaufhaus bei Nacht) wirken und einem satten Sound Atmosphäre vom Feinsten.
Die Anlage aufzudrehen und dann sich ins Gefecht zu stürzen, wenn fette Waffensounds erklingen, die Kugeln um die Ohren zischen oder man sich in den Dreck schmeißt mit seinem vielen klimpernden Sachen am Körper ist schon toll.
Einziges Manko: Schienenlevels mit "ans Händchen-Nehm-Devise". Das HUD verrät ständig: "Guck, süßes Hänschen Klein - da vorn musst du jetzt lang .... eeeeeiii... so ist's richtig!". So richtig alternative Wege sind auch nicht möglich, wenn man gerade in einer Stadt unterwegs ist. Sobald man die Spielzone verlässt, wird alles schwarz-weiß und ein Hinweis leuchtet auf: "Bitte kommen sie innerhalb von 5 Sekunden zurück ins Einsatzgebiet." - toll.
Dafür ist man im fernen Osten - aber in einer Großstadt. Auch auf Dächern. Mal auf einem weitläufigen Acker, wo ein Düsenjet einen entdeckt und mit Angriffsflügen aggressiv hin und her fliegt (und man dabei die richtige Seite der Deckung nutzen muss - intensiv gut gemacht mit schöner Musikuntermalung!), mal ist man in einer modernen Villa, im Jet, im Panzer, im Humvee, in New York... aber meist im Nahen Osten.
Schade eigentlich, wo sich das Thema jetzt auch sehr ausgelutscht anfühlt.






Munitionsweihnachten


Dir geht die Munition aus? Die Knarre ist scheiße?
Gar kein Problem!
Battlefield 3 weiß die zauberhaftesten Antworten: zwar kannst du lediglich 4 Waffen tragen, wobei es 2 Hauptgewehre gibt, aber dafür jede Waffe vom gestorbenen Feind aufnehmen. Diese hat meist schon genügend Schuss, ansonsten gibt es verteilt in den Levels Munitionskisten, die automatisch Munition (unendliche Male) verschenken, sobald du dich nur ihnen näherst. Alternativ gibt's an jedem Checkpoint Neuversorgung.
Unterversorgung? Niemals!
Dafür strebt das Spiel zu sehr danach den Drive nicht zu verlieren: und bis auf die Fahrzeugmissionen tut's das auch nicht. Die Kämpfe sind nämlich flott. Man kann unendlich lang sprinten, gezielt über Kimme und Korn ballern und die nicht als unendliche Armee antretenden Klongegner niedermetzeln. Animationen wie "Ducken" oder "Hinlegen" gehen flüssig ins Geschehen über (wenn man rennt, schmeißt er sich förmlich in den Dreck) und auch Hindernisse mit "Springen" zu überwinden, erfolgt in einer lässigen Schwung-Animation, die man aus "Mirror's Edge" kennt. Auch einige Levels erinnern kurz mal mit giftigem Grün an das tolle Jump'n'Run.







Sonstiges:

  • die Grafik ist spitzenmäßig - bis auf sehr eigenartige dreieckig-förmige Schattenwurfsfehler hier und dort (mal weniger, mal ziemlich heftig) - Grafikeinstellungen rumprobiert, Treiber aktuell - komisch!
  • es gibt 3 Schwierigkeitsgrade
  • Charakter hält nicht sonderlich viel aus, heilt sich bei Ruhe aber wie man's kennt vollautomatisch
  • wer zuviel Kugeln eingesteckt hat, stirbt - es gibt keine Kumpanen, die einen wieder vom Boden kratzen
  • Verhalten der Mitstreiter ist glaubhaft und nicht auf "Heroes & Hard Knocks nonstop" getrimmt
  • Zwischensequenzen im Spiel sind stets aus Ego-Sicht und mit Spielgrafik
  • Leichen verschwinden - manchmal direkt beim Draufgucken
  • Kampagnenumfang: 12 Missionen, insgesamt 7 Stunden Spielzeit (höchstens)
  • Teamkameraden agieren vollkommen selbstständig und gut - auf sie aufpassen muss man nicht und sie sind auch ziemlich treffsicher - ebenso wie die Gegner





Fazit:
Wer sich Battlefield 3 kauft, hat bestimmt schon das "Desaster" mit der Origin-Datensammelwut und den verfassungsfeindlichen Spionageaktionen gehört. Da gibt es ja mittlerweile Abhilfe - aber wer sich BF3 kauft, spielt den genialen Multiplayer.
So eine Kampagne ist lediglich nette Dreingabe - und sie wirkt zwar hier und da wie CoD, ist aber anders - und das auf gute Art und Weise. Nämlich "realistischer". Gerade das macht die Sache wertvoll, weil man den Charakteren Glauben schenkt und das professionelle Spiel mit seinen toll designten Umgebungen, dem fetten Sound, den tollen Animationen, der soliden Action und den tollen "Magic Moments" zu überzeugen weiß. Es ist kein Desaster geworden. Wer einmal spielt, möchte so schnell nicht aufhören - glaubt mir!